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WM 2006 Hooligan-Nachlese

Ich muss zugeben, es sind beeindruckende Bilder, die diese BBC-Dokumentation (“Hooligans – The Untold Story”) auch in Frankfurt gemacht hat. Sie vermitteln einen Eindruck den ich so gar nicht hatte. Einerseits denke ich zurecht, dass dieser Bericht ein wenig zugespitzt ist, andererseits kann man auch deutlich von einem Versagen der Vierten Gewalt während der WM sprechen. Den Medien war es wohl eindeutig wichtiger nationale Gefühle zu erwecken und Deutschtum zu heroisieren, als diesen Auseinandersetzungen, an denen zu jedem Zeitpunkt auch Deutsche beteiligt zu sein schienen, ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Achtung: Nachfolgende Dokumentation ist ca. eine Stunde lang, aber äußerst sehenswert (und man lernt was über den britischen Akzent).

WM Nachlese

Ich war gestern abend tatsächlich schwer enttäuscht, weil ich gehofft hatte die WM würde dann doch noch ein glimpfliches Ende nehmen. Dem war aber nicht so. Die Defensivfußballer aus Italien gewannen das Finale und konnten kaum Sypathien für ihr Land gewinnen, wurden sie doch erneut entscheident vom Schiedsrichtergespann übervorteilt. Nach dem unberechtigten Elfmetersiegtor im Achtelfinale gegen Australien in der letzten Spielminute wurde den Franzosen gestern ein zweiter Elfmeter Mitte der zweiten Halbzeit verwehrt … Gut, soviel ist da jetzt nicht mehr dazu zu sagen.

Hier meine 11 der WM:

Buffon (TW Italien) – Lehmann war gut, aber Buffon war der absolute Hammer

Lahm (LV Deutschland) – Tolles Turnier für Lahm, der deutlich variabler spielt als zuletzt
Cannavaro (IV Italien) – Er war mit Pirlo der eigentliche Garant für die Weltmeisterschaft
Mertesacker (IV Deutschland) – Ich kann mich an keinen einzigen Fehler von Mertesacker erinnern
Grosso (RV Italien) – Seine perfekte Schwalbe sicherte den Einzug ins Viertelfinale, Mann der wichtigen Tore

Pirlo (DM Italien) – Die wichtigste Position des Turniers fantastisch ausgefüllt
Frings (DM Deutschland) – Für ihn gilt dasselbe, leider im Halbfinale nicht dabei, er hätte die Qualität nochmal gesteigert
Ribery (OM Frankreich) – Die Entdeckung der WM, ich bin selten von einem technisch so unbegabten Spieler so begeistert
Zidane (OM Frankreich) – Trotz seiner Aussetzer und seines Alters, er war wieder der kreativste

Klose (ST Deutschland) – Torschützenkönig, hat seinen Marktwert um geschätzte 10-15 Mio. gesteigert
Gyan (ST Ghana) – Wo waren eigentlich all die Schewschenkos, Tonis, Adrianos, Drogbas, er war sicherlich besser

Insgesamt war die fußballerische Qualität des Turniers – um es vorsichtig auszudrücken – eher zurückhaltend. Die erfolgreichen Mannschaften (und das ist das schlimme) spielten bis uaf Deutschland nur mit einem Stürmer, was das spielt nach vorne deutlich verlangsamte. Hinzu kam, dass Mannschaften die berauschenden Fußball spielten wie Australien, Spanien und auch Deutschland zu früh ausschieden und Mannschaften wie Italien Platz machen mussten. Die Leistungen wurden jedoch noch grandios unterboten von den Leistungen der Schiedsricher, die eine Frechheit waren. Ich habe Spiele vor Abpfiff verlassen, weil ich die Schiedsrichter nicht mitansehen konnte … und das ist mit noch nie passiert. Deshalb war auch die Fehlentscheidung von gestern nicht so wirklich verwunderlich. Zugegeben: vor vier Jahren waren sie nicht besser und Italien hatte damals großes Pech mit der Schiedsrichterleistung gegen Italien, aber ich hoffe inständig auf Profischiedsrichter in vier Jahren.
Die Atmosphäre war tatsächlich in den Stadien und in den Städten toll, aber wer Stadionstimmung will sollte wohl doch besser mal bei der Eintracht vorbeischauen.

Meine größte Enttäuschung (Team): Schweiz
Meine größte Überraschung (Team): Frankreich

Meine größte Enttäuschung (Spieler): Ronaldinho
Meine größte Überraschung (Spieler): Gattuso

P.S.: Schwalbenweltmeister

Holland – Argentinien Impressionen II

Gegen 17.05 Uhr wollte ich in Darmstadt in die S3 nach Frankfurt steigen. Pustekuchen, ich weiß jetzt nicht, ob es an den Studenten lag, aber alle S-Bahnen hatten um die 20 Minuten Verspätung. Nagut, also rein in den Zug, in dem schon einige Holländer und mit Argentinientrikots und T-Shirts ausgestattete Deutsche waren, und ab zum Hbf Frankfurt. Dort sind wir dann auf Nadjas Empfehlung erstmal in die Innenstadt gelaufen. Der Bahnhofsvorplatz war wirklich gerammelt voll. Oranje überall – sehr beeindruckend. Die Kaiserstraße war gesäumt von Essensständen und Merchandisingartikeln. (Ich bin jetzt im Besitz eines 5€ Oranje-T-Shirts *g* quasi als Antwort auf Nadjas Argentinien-Shirt) Auf dem Weg in die Innenstadt konnte man auch fast nicht von dem MExikospiel verpassen, da quasi alle 3-Meter riesige Fernseher standen, kaum war man an einem vorbei konnte man den nächsten schon sehen. Und so gingen wir auf die Hauptwache und in die Freßgasse um uns kulinarisch auf das Kommende vorzubereiten.

Um 19 Uhr machten wir uns auf in die S-Bahn zum Waldstadion. Der Bahnsteig war sehr, sehr, sehr voll. (Ich hoffe unten kommt davon noch ein Video hin.) Die Holländer waren ganz klar in der Überzahl und waren schon gut am Singen. Als dann endlich eine S8 kam, war das Gedränge groß. Einem deutschen in Argentinien Shirt fiel unbemerkterweise sein Ticket fast auf die Schienen, ein Holländer hob es für ihn auf. In der Bahn standen wir gepresst wie früher in Darmstadt wenn mal wieder die Busse für die Studenten nicht kamen. Die Holländer waren durchgängig und lautstark am Singen (“Schade Deutschland, alles ist vorbei” und ähnliches), woraufhin die Deutschen in Argentinientrikots sangen “Ohne Holland fahr’n wir nach Berlin”. Vor uns standen 3 Kinder, die ständig darauf aufpassen mussten nicht erdrückt zu werden und sicherlich froh waren, als wir dann endlich da waren.

Auf dem Fußweg zu Stadion kaufte ich uns beiden dann noch je eine Holland-Schirmkappe, die im Dunkeln leuchtet, wenn die Batterie gehen würde. Egal. Dutzende Schwarzhändler standen mit Suche-Tickets-Schildern da, die nichts anderes sagen wollten als “Tickets zu verkaufen”. Die Einlasskontrollen waren zwar – wie gewohnt – lascher als bei Eintrachtspielen. Dennoch musste jeder seine Werbegeschenke (Hüte, u.ä.) in die Mülltonne werfen, wenn diese nicht von offiziellen Sponsoren waren. Erstaunlich viele Leute hatten gerade frisch eingekaufte Textilien dabei. Auf dem Stadiongelände selbst hatten die Sponsoren einige Stände aufgebaut, auch wenn diese – bis auf Coca Cola und Hyundai eher enttäuschend waren. Das Stadion war jedoch trotz der ungewohnten WM-Beflaggung immernoch das alte. Wir saßen in 43L (Oberrang Westkurve) und somit nur unweit von meinem Dauerkartenplatz 42 (Unterrang) entfernt in einer neutralen Gruppe mit doch einigen Argentiniern, die nicht verstehen konnten, warum sie zu Anpfiff die Treppe räumen sollten, dies dann aber leider ohne zu klagen taten. Überhaupt waren beide Fangruppen sehr brav. Fast braver als das Spiel, über das ich hier nicht reden werde, auch wenn es besser war als das Ergebniss aussagt und Messi wohl auf längere Zeit der beste Spieler sein wird, den das Stadion gesehen hat (es sei denn Brasilien spielt im Viertelfinale in Frankfurt).

Die Stimmung war erwarteterweise enttäuschend. Gut, es gibt da viele Gründe dafür. Aber fest steht eine Clubmannschaft wird wohl immer eine bessere, weil organisiertere Stimmung erzeugen können als Nationalmannschaften, selbst während der WM. (Eine Passantin meinte, die Engländer wären lauter gewesen.) Die Argentiniener trommelten über 90 Minuten. Die Holländer waren sehr still und versuchten sich ab und zu an der Laola. Als in meinem Block einige “Steht auf, wenn du Deutscher bist” sangen, breitete sich dies wie ein Lauffeuer durch das ganze Stadion aus. Das “Eintracht Frankfurt” hatte dagegen einen sehr viel schwächeren Widerhall. Gut neben mir saß ein Absteiger aus Kaiserslautern (mit Trikot und Schal in der Höhle des Löwen ^^), der war merklich angepisst, aber egal. Auffällig war, dass beide Fangruppen gesanglich weit mehr zu bieten hatten als “Deutschland, Deutschland”, “Berlin, Berlin, wir fahren nach Berln” und “Steht auf, wenn ihr Deutsche seid”. Die Argentinier hatten richtig lange Gesänge (“ole ole ole, ole ole ole ola, ole ole ole, cada dia te quiero mas, oh argentina, es un sentimiento, que no puedo parar”), auch wenn sie nicht an die griechischen Basketballfans heranreichen.

Nach 90 WM-Minuten war also Schluss. Am Mainufer tranken wir dann an einer ruhigen Ecke – und die gab es tatsächlich ein wenig abseits des großen Fanfestes – einen Äppler. Irgendwann bemerkten wir einen nach Hilfe japsenden Franzosen, der besoffen im Main umhertrieb, und den ich mit anderen Umstehenden aus dem Wasser ziehen konnte. Idiot.

Auf dem Fanfest war noch richtig was los und am Römer war ne richtige Party am Start (Siehe Video unten). Ich hatte mich ja schon neulich über die feiernden Serben nach ihrer 0:6 Niederlage gewundert. Naja, auch ein 0:0 kann man überschwänglich feiern. Natürlich blieb alles friedlich und noch ein großen Dank an den RMV, der auch um diese Uhrzeit noch zahlreiche Fans wie auch mich nach Langen und Darmstadt brachte.

Main Arena

Am Freitag waren wir unterwegs in Frankfurt um die Niederlage der Holländer zu feiern. Leider wurde daraus nichts. Dennoch war die Main Arena und sehr beeindruckend und unerwarteterweise sehr, sehr lässig. Kaum Gedränge, super Stimmung, selbst die Hitze war an diesem Tag erträglich. Und die Holländer hatten nach dem knappen Sieg noch nichtmal Lust von den Mainbrücken zu springen, wie es die Engländer die Woche zuvor getan hatten.

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