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Herdprämie (nicht ganz) zu unrecht Unwort

Das Gremium, das das Unwort des Jahres kürt und keinen sinnvollen Namen trägt, seitdem es sich von der Gesellschaft für deutsche Sprache outgesourced hat, um freier jurieren zu können, hat getagt. Mit dabei meine Professorin Nina Janich – lustig seine Profs vor der Arbeit im Morgenmagazin zu sehen. Gekürt haben sie das Unwort Herdprämie (sowie “klimaneutral” und “entartet” – kaum erklärungsbedürftig). Nur warum?

Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen.

Ahja, nagut, wenn die Jury meint. Aber so ganz verstehe ich die Kritik nicht, denn eigentlich beschreibt das Wort (morphologisch und semantisch) ganz gut, was gemeint ist, wenn man jetzt mal die unterstellte Diffamierungsabsicht hinten runter fallen lässt. Andererseits hat der Begriff durchaus als Unwort seine Berechtigung, wurde er doch unreflektiert von den Befürwortern der offiziell Betreuungsgeld genannten finanziellen Unterstützung verwendet.

Was jedoch fehlt als Unwort ist ganz klar der Bundestrojaner. (Die Vorratsdatenspeicherung ist zwar ein Unding, und qua beamtendeutscher Morphologie auch ein Unwort, aber eben nicht im Sinne eines Unworts – wenn ihr versteht.) Das Wort Bundestrojaner jedoch verwischt die Grenzen zwischen Kriminalität und Legalität, eben ohne Zynismus und Menschenverachtung im Namen zu tragen. Ein Trojaner – also eine höchst kriminelle Technologie wird durch das Präfix Bundes- linguistisch in den Rang der Exekutive gehoben. Ganz klar – die Jury hat sich vertan. Auf klimaneutral hätte man nun wirklich verzichten können.