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Michael Pütz im Spiegel

Nur mal um den Vergleich zu Tim Renner aufzureißen, eine kurze zusammenfassung des Spiegel-Interviews mit Michael Pütz, dem Chef der Marktforschungsabteilung von der unsäglichen Sony BMG, die ja demnächst wieder das DSDS-Format ins Fernsehen bringen wird.

Thema DRM: “Ich bin mir gar nicht so sicher, ob die Idee des DRM an sich von den Kunden abgelehnt wird. Das Problem ist doch eher die fehlende Kompatibilität zwischen den geschützten Audio-Formaten und den Endgeräten.”

Thema CD: “Gerade ein so beliebtes Produkt wie die CD ist bestens dazu geeignet, je nach Zielgruppe auch in unterschiedlichen Versionen angeboten werden. Zum Beispiel mit einer besonderen Aufmachung oder einer Bonus-DVD, oder auch sehr reduziert zu entsprechend unterschiedlichen Preisen.”

Thema Kopierschutz: “Die Probleme sind bekannt. Die Musikindustrie arbeitet aber weiterhin gemeinsam mit ihren Technologiepartnern daran, ein kundenfreundliches System zu etablieren, das die normale Nutzung nicht einschränkt, aber gleichzeitig die Anfertigung von Raubkopien verhindert.”

Thema Illegale Downloader: “Die Anzahl der illegalen Downloads ist in den vergangenen zwei Jahren ja schon auffällig zurückgegangen – zugegebenermaßen aber immer noch auf einem hohen Niveau. Ich führe das auch auf die strafrechtlichen Maßnahmen zurück. [… G]leichzeitig wird ja schon an erweiterten Online-Konzepten gearbeitet. Dazu gehören exklusive Tracks, virtuelle Booklets, Bundle-Angebote und verstärkt auch Musikvideos. Der Konsument wird dabei noch stärker in den Mittelpunkt unserer Überlegungen rücken.”

Dieser Mann hat nun wirklich nichts von dem verstanden, was Tim Renner vermutlich auch ihm erzählt hat. Legale Angebote müssen attraktiver sein als illegale – ergo kein DRM und kein Kopierschutz, der sowieso geknackt wird. Keine Kriminalisierung von potentiellen Kunden und Massen von Kindern und Jugendlichen. Attraktivere Preisgestaltung ohne “abgespeckte” CDs ohne Booklets zu verkaufen. So schwer ist das doch nicht.

Tim Renner im Spiegel

Ich hab vor einiger Zeit ja schonmal den Insider und Kritiker der Musikindustrie Tim Renner erwähnt. Wem der Kauf seines Buches zu abwegig erscheint, kann ja jetzt mal bei Spiegel-Online vorbei schauen. Da hat er einen kleinen aber lesenswerten Artikel über die Zukunft der Musikindustrie geschrieben, und ich kann euch nur nochmal garantieren, dass sich seine Ideen auch auf 250 Seiten (“Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm”, Campus) gut und informativ lesen lassen.

Dabei weiß Renner erstaunlich gut über die alternativen Konsumwege von Musik (Stichwort: Last FM, Pandora, usw.) Bescheid und weiß diese sehr gut und differenziert einzuordnen und von ihnen zu lernen. Im Buch ist sein Credo für die zukünftigen Vertriebswege der Musikindustrie so einfach wie logisch: Legale Angebote müssen besser sein als die illegalen. Also kein DRM, keine lachhaft hohen Preise, ultimative Einfachheit und Konsumentenfreundlichkeit. Klingt einfach, ist es wahrscheinlich auch.