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FC Bayern Kommerz

Man hört ja hinlänglich oft von so ca. jedem Fußballfan, auch den härtesten, dass der FC Bayern ein Kommerzverein ohne Fans. Abfällig spricht man von den Sympathisanten als “Kunden”. Leider stimmt dies auch zum aller größten Teil, aber auch beim FC Bayern gibt es eine kleine Zahl von Fußballfans, nicht annähernd so groß wie in allen anderen Stadien. Vielleicht hat sogar der VFL Wolfsburg ein paar mehr. Aber es gibt sie.

Sie sind ca. 700 – 200-250 davon regelmäßig im Stadion – organisieren sich in dem Fanclub Schickeria, sind die Stimmungsmacher in der sonst so leisen und langweiligen AllianzArena und waren auch mit die lautesten, wenn es darum ging, bundesweit gegen willkürliche Stadionverbote aufzubegehren. Sie kennen das Problem, denn die Fanbetreuung der Bayern würde gerne auch die letzten Fans aus ihrem Stadion vertrieben wissen. Nun, der FC Bayern München hat diesen Schritt nun getan. Sämtliche Dauerkarten, die über den Fanclub Schickeria vergeben wurden, werden nicht verlängert. Es gab einfach eine Kündigung ohne Begründung. Grund ist ein grausamer Vorfall vor einigen Wochen, bei dem einige Schickeria-Mitglieder wohl einen Fanbus des 1. FC Nürnberg angriffen und einige Menschen verletzt wurden. Die Gruppe distanzierte sich sofort von den Tätern und begann damit, Geld für die Opfer zu sammeln.

Aber Uli Hoeneß und der Moloch FC Bayern München sahen ihre Chance gekommen und drängen die Gruppe nun aus dem Stadion. Hoeneß spricht nun öffentlich von einer “ganz neuen Südkurve” in der nächsten Saison. Derweil solidarisieren sich die anderen Fanclubs des FC Bayern und auch bundesweit gegen das Vorgehen dieses Vereins gegen ihre Schickeria. Ich bin gespannt, was sich an diesem letzten Spieltag in München tut. Hoffentlich artet es nicht in Gewalt aus.

Lauter fiese Hooligans II

Nachdem Herr Müller schon auf den ersten Artikel eine drei-teiligen Serie hingewiesen hat, kommentiere ich derweil den zweiten. Im Spiegel wird dabei unter anderem die zivilgerichtliche Überprüfung von von der DFB ausgesprochenen Stadionverboten betont. Der Beginn eines Ermittlungsverfahrens löst dabei grundsätzlich ein solches Verbot aus, bundesweit. Dabei reicht für dieses Verfahren ein begründeter Anfangsverdacht, der oft genug einer gerichtlichen Überprüfung nicht stand hält. Dennoch fehlen den Betroffenen oft die Mittel, um gegen die Verbote vorzugehen.

Außerdem berichtet der Spiegel unter der Überschrift “Wer unverdächtig ist, ist verdächtig” über den in der Fanszene sehr bekannten Fall einer damals 16-jährigen Dynamo Dresden-Anhängerin.

Im März 2005, an einem Freitagabend, begleitet Corinna, damals 16 Jahre alt, ihre Mannschaft zu einem Spiel nach Saarbrücken. Der Trip in die Ferne verläuft normal, bis sie vor dem Stadion von der Polizei aufgefordert wird, sich für eine Durchsuchungsmaßnahme in ein eigens dafür aufgebautes Zelt zu begeben. Dort muss sie sich schließlich in Gegenwart zweier Beamtinnen komplett entkleiden. Ihr Mentor, der für die Prozesskosten aufkommt, war damals auch vor Ort. Er weiß von “mehr als 20” Frauen, die ebenfalls den Blick unter Slip und BH hätten frei geben müssen, auch eine zirka 50-Jährige sei darunter gewesen.

Ende Mai 2006 weist das zuständige Verwaltungsgericht Corinnas Klage gegen die Landespolizeidirektion Saarland ab. Die Maßnahme gegen den Teenager sei “erforderlich” und “verhältnismäßig” gewesen, denn es habe “lediglich eine Nachschau nach Fremdkörpern in der Kleidung und eine Beschau des unbekleideten Körpers stattgefunden” – jedoch keine “Inaugenscheinnahme von natürlichen Körperöffnungen”.
Laut Gericht hatten Dresdner Polizisten die Kollegen in Saarbrücken darüber informiert, dass erfahrungsgemäß “unverdächtige Dynamo-Fans” Waffen, Rauchpulver und Signalmunition transportieren würden. Der Kreis dieser “Unverdächtigen” umfasse “unscheinbare, jüngere oder ältere und insbesondere weibliche Personen”, die man normalerweise nicht “der gewalttätigen Fanszene” zuordne.

Das Verwaltungsgericht vertritt die Position, Corinna habe “dem Profil der Transportklientel voll und ganz entsprochen”: unscheinbar, jung oder alt, und insbesondere weiblich. Derzeit hofft Corinna, dass ihre Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts zugelassen wird.

Auf nie mehr Wiedersehen Rechtsstaat! Willkommen Überwachungs- und Willkürstaat! Im Fußball sind wir – was die Bürgerrechte angeht – in Deutschland schon so weit wie in jeder Bananenrepublik.