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Christian Kracht – Imperium: ein Skandal?

Christian Kracht hat ein neues Buch geschrieben (“Imperium“) über einen deutschen Naturfanatiker, der sich Anfang des Jahrhunderts auf die deutsche Kolonie in Papua-Neuguinea zurückzieht und dort eine Sekte von Fruktariern gründet und daran scheitert. Ich lese ja alles von Christian Kracht, er ist einfach großartig in seinem Erzählstil – die Geschichte die er erzählt ist jedoch eigentlich immer die gleich. Es geht um die Auflösung der Charaktere. Und ja, er spielt unterschwellig oft mit der Nation als Wert für den Einzelnen.

Der Print-Spiegel – in persona Georg Diez – hat daraus den Vorwurf konstruiert Christian Kracht würde quasi rechtsradikales Gedankengut (totalitär, antimodern, demokratiefeindlich) transportieren. Das ist absurd und ein Affront, den ich der Kulturredaktion vom Spiegel nicht zugetraut hätte. Jakob Augstein hat auch schon ein Kommentar in Spiegel Online geschrieben, gegen die Nazi-Keule seiner Print-Redaktion.

Und auch namhafte Autoren haben nun über den Verlag Kiepenheuer & Witsch einen offenen Brief an den Spiegel geschrieben. Das ist mal wieder ein Literaturskandal, der keiner hätte sein müssen. Das Œuvre von Christian Kracht jedenfalls überzeugt auch ohne Skandale:

Offener Brief an

Chefredaktion
Der Spiegel
Ericusspitze 1
20457 Hamburg

Sehr geehrter Herr Mascolo,

mit dem Spiegel-Artikel »Die Methode Kracht« hat der Literaturkritiker Georg Diez für uns die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten. Äußerungen von literarischen Erzählern und Figuren werden konsequent dem Autor zugeschrieben und dann als Beweis einer gefährlichen politischen Haltung gewertet. Wenn diese Art des Literaturjournalismus Schule machen würde, wäre dies das Ende jeder literarischen Phantasie, von Fiktion, Ironie und damit von freier Kunst.

Katja Lange-Müller
Daniel Kehlmann
Elfriede Jelinek
Peter Stamm
Monika Maron
Thomas von Steinaecker
Kathrin Schmidt
Thomas Hettche
Necla Kelek
Rafael Horzon
Stefan Beuse
Carmen Stephan
Benjamin von Stuckrad-Barre
Carl von Siemens
Eckhart Nickel
David Schalko
Feridun Zaimoglu

Mainstream Media macht sich die Welt widewidewie sie sich gefällt

Breite Mehrheit gegen Ypsilantis Machtplan titelt SPON, sogar unter Anhängern der Sozialdemokraten gibt es keine Mehrheit dafür schreibt sie, und bezieht sich auf eine ZDF-Politbarometer-Umfrage. Tja, macht man sich die Mühe und liest den Artikel ohne sein Gehirn abzuschalten muss man zunächst folgende Zahlen konstatieren:
44% der Bundesbürger sind derzeit gegen eine rot-grüne hessische Regierung toleriert von den Linken, 24% dafür und 32% haben keine Meinung.
Unter den SPD-Anhängern sind 40% dafür, 28% dagegen und 32% haben keine qualifizierende Meinung dazu.

Halten wir also fest: In der Bunderepublik gibt es keine mehrheitliche Ablehnung einer rot-grünen Minderheitsregierung in Hessen, toleriert durch die Linke. Und unter den SPD-Mitgliedern gibt es eine breite Mehrheit für Ypsilantis Pläne.

Main Strem Media heute mal wieder irgendwo zwischen Pippi Langstrumpf und Pinocchio.

Update: P.S.: Robin hat sich auch gewundert.

Einstiegsgehälter

Ich habe gerade auf Spiegel Online den ersten realistischen Gehaltscheck seit Ewigkeiten gelesen. Ich schlüssel das mal nach Relevanz auf. 😉 Demnach können Informatiker im Durchschnitt 2951€ brutto verdienen , BWLer sind mit 3161€ tatsächlich deutlich höher. Hätte ich nicht gedacht.

Kommen wir zu den Normalverdienern: Biologen 2019€ (nur 55% mit Vollzeitstelle), gefolgt von *tata* Politikwissenschaftlern 1998€ – abgeschlagen auf dem letzten Platz die Germanisten mit 1598€. Finde ich schon spannend, weil der Spiegel die Zahlen ja tatsächlich durch Arbeitnehmer/Studenten/Alumnibefragungen gewinnt. Die sollten also realistisch sein. Abstrus wird es jedoch bei dieser Statistik der Gehältermodifikation bei Praktika und Auslandsaufenthalt. Es gibt auch einen sehr spannenden Artikel zu der Umfrage online.