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Zur gesellschaftspolitischen Dimension der Netzelite

Zwei Vorträge der Re:publica möchte ich nochmal hervorheben. Und keiner der beiden hat, obwohl es beiden nicht an gesellschaftspolitischen Profil mangelt mit dem neu gegründeten Lobbyistenverein Digitalen Gesellschaft zu tun.

Zum einen hat Sascha Lobo einen tollen Rant gehalten (und auch einen anschließenden Vortrag über Trolle. Zum anderen aber, und die sei aufgrund der Relevanz vorweg gestellt, hat der großartige Gunter Dueck, den wir auch schon in Darmstadt bei der Telekom als Redner auf der Webtech 2010 zu Gast hatten, einen tollen Vortrag eines Internet-Dinosauriers (er ist ja Manager bei IBM) über die über die Netzpolitik hinausgehende Dimension des durch das Internet getriebenen Wandels in der Gesellschaft gehalten. Der Mann ist großartig und mit seiner zynisch Art ein schlagkräftiger Lobbyist, von dem man nie so genau weiß, ob er nun gerade auf der eigenen Seite steht oder nicht. Aber seht selbst:

Und hier der Vortrag zur Trollforschung von Sascha Lobo:

Street View und die digitale Öffentlichkeit [Update]

Google Street View startet endlich auch in Deutschland. Ab 14. September werden die größten 20 Städte online gestellt. Endlich!

Und während die Fortschrittspessimisten und Häuslebesitzer den Untergang des Abendlandes herbei reden (sorry Robin) hält Sascha Lobo ein Plädoyer für die Innovationskraft der digitalen Öffentlichkeit. Auf zwei Punkte möchte ich genauer eingehen:

1) schreibt Robin: “Ein wichtiger Punkt wird hierbei sein, dass jeder ein Recht auf einen Blick in ALLE! Straßen hat.”

Robin, ganz ehrlich. Das ist schon heute so. Gib mir doch mal bitte mal einen Grund, warum es mir als Person nicht erlaubt sein sollte auf dein Haus zu schauen. Und jetzt überleg dir mal die rechtlichen Konsequenzen, wenn dies wirklich verboten wäre.

Dann dürfte keine mehr irgendwelche Fotos online stellen, ohne die Hausbesitzer zu fragen. Nur weil Google alle Häuser fotografiert hat ist das noch überhaupt kein qualitativer Unterschied zu einer realen Person, die ein Foto macht.

Ich sehe ein, dass es ein Recht am eigenen Bild gibt. Denn mein Bild ist ein Teil meiner Persönlichkeit als Individuum. Ein Recht am Bild meines Eigentums kann es meiner Meinung nach nicht geben. Ich finde sogar, dass es kein Recht am Bild von Kunstwerken geben sollte, solange diese in der Öffentlichkeit zu sehen sind. Denn was öffentlich ist, ist nun mal öffentlich.

2) carta.info schreibt: “Anders als Sascha Lobo vermutet, ist die digitale Öffentlichkeit also gar nicht so öffentlich, sie befindet sich in Privatbesitz einer Firma. Wenn es eine echte Öffentlichkeit wäre, müssten die Bilder unter einer CC-Lizenz stehen.”

Right. Das ganze ist tatsächlich der wunde Punkt. Erst vor ein paar Tagen ging eine Studie durch das Netz, dass Deutschland im 19. Jahrhundert gerade weil es kein Urheberrecht kannte, so einen großen Fortschrittssprung gemacht hat. Das ist tatsächlich kaum wissenschaftlich zu belegen und daher eher ein Credo, aber eines an das ich glaube.

Andererseits, wissen wir auch, wie Google mit seinen Daten (z.B. bei Google Maps) umgeht – großzügig. Man kann sie leicht und einfach verwenden und sie sind mashable. Eigentlich sind sie großartig aufbereitet für jeden, der sie nutzen will. Warum sollte es mit diesen Daten anders sein. Diese Daten mögen im Besitz einer Privatfirma sein, sie sind aber dank der speziellen Ethik Googles dennoch teil der digitalen Öffentlichkeit.

Dass dahinter Geschäftsmodelle stehen, die die Kosten des Vorhaltens der Daten wieder monetarisieren sollen, das kann man Google nun nicht wirklich böse nehmen. Ich sehe dennoch nicht gegen welches grundlegende Recht Google da verstoßen soll, das Persönlichkeitsrecht ist es ja wohl mal nicht, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung auch nicht (steht ja nirgends wer da wohnt, oder wem es gehört).

UPDATE:
Passend dazu auch der Lacher des Tages von Fefe.

Kristina Schröder aka Köhler wird geshitstormt

Ich will nicht viele Worte machen, aber diesem Tweet:

hat sich Familienministerin Kristina etwas in die Nesseln gesetzt, um es vorsichtig auszudrücken.

Jörg Marx hat den Shitstorm schonmal ganz gut eingefangen. Wer Lust hat kann ja einfach mal nach @kristinakoehler suchen.

Ich glaube, der Satz “Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?” könnte ein ähnlicher Klassiker werden wie “Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.” oder “Sollte Facebook nicht bereit sein, seine Firmenpolitik zu ändern und die eklatanten Missstände zu beheben, sehe ich mich gezwungen, meine Mitgliedschaft zu beenden.” 😉 By the way: http://www.isilseaignerstillonfacebook.com/

Ansonsten sei der guten Frau Schröder geraten – witzig, dass ihr Twittername noch Köhler ist – mal bei Sascha Lobo vorbeizuschauen:

Sascha Lobo auf der re:publica10: “How to survive a shit storm”

Frei oder doch proprietär

Ich bin ja ein großer Anhänger proprietärer Software – auch wenn es nicht unbedingt Apple sein muss. Jedenfalls spannend, was die Online-Vordenker Lobo und Sixtus dazu zu sagen haben, deren BEiträge für das TV-Magazin “neues” auf 3sat ich immer gerne schaue.

Link zum Video – übrigens eine der wenigen TV-Sendungen/Beiträge, die unter der Creative Commons-Lizenz (CC) BY-NC-SA produziert werden.