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Dr. Parag Khanna erklärt die Zukunft der Weltpolitik

In der Zeitung Der Freitag ist ein tolles Interview mit Dr. Parag Khanna abgedruckt worden. Als gebürtiger Inder ist er schon fast überall in der Westlichen Welt zum studieren oder arbeiten gewesen: Er wuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Amerika auf, studierte in Berlin und Georgetown (Washington) und promovierte an der London School of Economics. 2008 war er außenpolitischer Wahlkampfberater von Barack Obama in seinem Wahlkampfteam. Ein echter Supestar der Politikberatung.

Der Freitag stellt ihm 40 Fragen zur Zukunft der Welt. Ich bin nicht bei jeder Frage geneigt ihm zuzustimmen, aber ein paar Antworten sind richtig spannend:

1. Wie erklären Sie jemandem die Welt, der seit dem Mauerfall keine Nachrichten mehr gesehen hat? Oder geht das gar nicht?

Of course! Also: Der Bipolarität des Kalten Krieges folgte eine G1-Übergangsphase, in der die USA alleinige Supermacht waren. Man sprach von einer neuen, multilateralen Weltordnung, aber die G8 verkam zu einer Gruppentherapie für westliche Regierungschefs. Denn: Wenn die ökonomische Agenda der Welt von Italien und nicht von China festgelegt wird, weiß man, dass der Club sich im Jahrhundert geirrt hat. 2008 folgte eine etwas repräsentativere G20-Ordnung – aber immer noch mit irrelevanten Mitgliedern wie Argentinien und Italien. Heute würde ich am ehesten von einer G3-Welt sprechen: Amerika, China und die EU.

(…)

9. Welches Bildungssystem ist das beste: das amerika­nische, das europäische oder das asiatische?

Amerika hat ein elitäres System, das nicht wirklich funktioniert, weil es Aufstiegschancen suggeriert, aber tatsächlich Ungleichheit schafft. Das europäische System wird unterschätzt. Gerade die deutsche Berufsschule, also die Ausrichtung auf die ökonomischen Bedürfnisse eines Landes, ist vorbildlich. Die asiatische Bildung ist eine Massenproduk­tion für Abschlüsse in bestimmten Feldern.

10. Was funktioniert in Indien besser als in Europa?

Nichts.

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20. Wie geht es dem Arabischen Frühling?

Es gibt 22 verschiedene arabische Staaten mit sehr unterschiedlichen Regierungen und Ausgangssituationen. Wir dürfen also keine EU-ähnliche Einheit erwarten. Der Arabische Frühling ist Ausdruck des Zusammenbruchs der post-­kolonialen Ordnung, aber die Angst mancher westlicher Beobachter vor einer erstarkenden islamischen Welt teile ich nicht.

21. Gibt es einen Kampf der Kulturen?

Nein, Kulturen sind keine geo­politischen Einheiten. Sie haben keine gemeinsame Stimme, keine Armee. Religion wird bloß als Deckmantel für säkulare Macht­politik benutzt.

(…)

Bitte lesen!

Bücher von Parag Khanna: