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Die Sache mit der Anonymität im Internet

“Das Telemediengesetz verpflichtet die Internetdiensteanbieter, eine anonyme oder pseudonyme Nutzung des Dienstes anzubieten.”
Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar 

Anlässlich des Starts von Spotify in Deutschland, deren Service man nur in Kombination mit einem Facebook-Account nutzen kann, fällt mir nur folgendes ein: Ach, und wie ist das bei der Vorratsdatenspeicherung? Und wie ist das mit den dynamischen IPs im IPv6-Standard? Gibt’s da bitteschön auch ein bisschen Lobbyarbeit, Herr Schaar?

Derweil macht die Musikindustrie und Contentindustrie weiter Druck auf die Politik. Mittlerweile wird hinter den Kulissen schon ein 2-Strikes-Modell (sic!) beraten – von der Bürgerrechtsversagern der FDP natürlich.

Achja, und warum gilt eigentlich für die ISPs nicht, was für Diensteanbieter im Internet gilt?

Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.
TMG §13 Abs.6 

(via: Neue Osnabrücker Zeitung)

Protest gegen SOPA – Wikipedia schaltet ab

Die englische Wikipedia ist heute down. Und zwar wurde sie gezielt abgeschaltet, um Lobbyarbeit zu machen. Die Macher von Wikipedia protestieren damit gegen den SOPA Gesetzesvorschlag (Stop Online Piracy Act), der von der amerikanischen Musik- und Film-Industrie eingebracht wurde und eine restriktivere Überwachung von Daten im Internet fordert. Da das Internet global und nicht national ist, geht das natürlich uns alle an, und deshalb finde ich es schade, dass Wikimedia Deutschland sich dem Protest nicht einfach anschließt. Stattdessen gibt es nur eine viel zu komplexe Erklärung.

Und auch Google tritt in den Lobby-Kampf gegen SOPA und das Schwestergesetz PIPA.

Und die Landingpage von Google finde ich übrigens sehr viel informativer und übersichtlicher. Inklusive Erklärungsvideo und einer ganzen Menge Informationen. Und da gibt es auch eine Liste offizieller Opponenten, die liest sich wie ein Who is who des Internets:

Michael Pütz im Spiegel

Nur mal um den Vergleich zu Tim Renner aufzureißen, eine kurze zusammenfassung des Spiegel-Interviews mit Michael Pütz, dem Chef der Marktforschungsabteilung von der unsäglichen Sony BMG, die ja demnächst wieder das DSDS-Format ins Fernsehen bringen wird.

Thema DRM: “Ich bin mir gar nicht so sicher, ob die Idee des DRM an sich von den Kunden abgelehnt wird. Das Problem ist doch eher die fehlende Kompatibilität zwischen den geschützten Audio-Formaten und den Endgeräten.”

Thema CD: “Gerade ein so beliebtes Produkt wie die CD ist bestens dazu geeignet, je nach Zielgruppe auch in unterschiedlichen Versionen angeboten werden. Zum Beispiel mit einer besonderen Aufmachung oder einer Bonus-DVD, oder auch sehr reduziert zu entsprechend unterschiedlichen Preisen.”

Thema Kopierschutz: “Die Probleme sind bekannt. Die Musikindustrie arbeitet aber weiterhin gemeinsam mit ihren Technologiepartnern daran, ein kundenfreundliches System zu etablieren, das die normale Nutzung nicht einschränkt, aber gleichzeitig die Anfertigung von Raubkopien verhindert.”

Thema Illegale Downloader: “Die Anzahl der illegalen Downloads ist in den vergangenen zwei Jahren ja schon auffällig zurückgegangen – zugegebenermaßen aber immer noch auf einem hohen Niveau. Ich führe das auch auf die strafrechtlichen Maßnahmen zurück. [… G]leichzeitig wird ja schon an erweiterten Online-Konzepten gearbeitet. Dazu gehören exklusive Tracks, virtuelle Booklets, Bundle-Angebote und verstärkt auch Musikvideos. Der Konsument wird dabei noch stärker in den Mittelpunkt unserer Überlegungen rücken.”

Dieser Mann hat nun wirklich nichts von dem verstanden, was Tim Renner vermutlich auch ihm erzählt hat. Legale Angebote müssen attraktiver sein als illegale – ergo kein DRM und kein Kopierschutz, der sowieso geknackt wird. Keine Kriminalisierung von potentiellen Kunden und Massen von Kindern und Jugendlichen. Attraktivere Preisgestaltung ohne “abgespeckte” CDs ohne Booklets zu verkaufen. So schwer ist das doch nicht.

Tim Renner im Spiegel

Ich hab vor einiger Zeit ja schonmal den Insider und Kritiker der Musikindustrie Tim Renner erwähnt. Wem der Kauf seines Buches zu abwegig erscheint, kann ja jetzt mal bei Spiegel-Online vorbei schauen. Da hat er einen kleinen aber lesenswerten Artikel über die Zukunft der Musikindustrie geschrieben, und ich kann euch nur nochmal garantieren, dass sich seine Ideen auch auf 250 Seiten (“Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm”, Campus) gut und informativ lesen lassen.

Dabei weiß Renner erstaunlich gut über die alternativen Konsumwege von Musik (Stichwort: Last FM, Pandora, usw.) Bescheid und weiß diese sehr gut und differenziert einzuordnen und von ihnen zu lernen. Im Buch ist sein Credo für die zukünftigen Vertriebswege der Musikindustrie so einfach wie logisch: Legale Angebote müssen besser sein als die illegalen. Also kein DRM, keine lachhaft hohen Preise, ultimative Einfachheit und Konsumentenfreundlichkeit. Klingt einfach, ist es wahrscheinlich auch.