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6:0 gewonnen und doch verloren

Nachdem zuletzt auch das 6te Gerichtsurteil zwischen Jens Weinreich und dem DFB für Weinreich ausging (Vgl hier), gibt Weinreich nun leider Kleinbei. Angesichts seiner existenziellen Bedrohung allerdings nachvollziehbar. Die Liste der Gerichte, die Weinreich Recht gaben:
1. Landgericht Berlin
2. Kammergericht Berlin
3. Landgericht Berlin
4. Landgericht Frankfurt am Main
5. Landgericht Berlin
6. Landgericht Frankfurt am Main

Die Spendengelder, die Weinreich für seinen Rechtsstreit gegen den DFB gesammelt hat, waren dabei enorm. Ich vermute mal, dass den wenigsten Spender so richtig zufrieden sein werden, mit dem, was nun herausgekommen ist. Immerhin sind knapp 22.000 Euro von etwa 860 Spendern eingegangen. Da ist es wenigstens erfreulich, dass Weinreich die meisten übrig bleibenden Spenden an die Hartplatzhelden und deren Kampf gegen die Sportverbände, um allgemeine und freie Bildrechte weitergeben will (Vgl. hier und hier).

Nun noch die abschließende Presseerklärung der Streitparteien:

Einigung zwischen DFB und Jens Weinreich

In den laufenden Rechtsstreitigkeiten zwischen Herrn Dr. Theo Zwanziger und dem Deutschen Fußball-Bund e.V. (DFB) und Herrn Jens Weinreich haben sich die Parteien gütlich geeinigt. Damit wird ein Schlussstrich unter diese Angelegenheiten gezogen.

Im Rahmen dieser Einigung haben die Parteien wechselseitige Erklärungen mit folgendem Inhalt abgegeben:

Herr Weinreich hat erklärt, dass er den Präsidenten des DFB, Dr. Theo Zwanziger, mit der von Herrn Dr. Zwanziger beanstandeten Formulierung „unglaublicher Demagoge” zu keinem Zeitpunkt in die Nähe eines Volksverhetzers rücken wollte. Der DFB hat erklärt, dass er Herrn Weinreich durch die Pressemitteilung Nr. 180/2008 vom 14.11.2008 unter der Überschrift „DFB missbilligt Diffamierung von Dr. Theo Zwanziger” zu keinem Zeitpunkt in seiner Arbeit als kritischer Sportjournalist behindern wollte.

Die Parteien haben sich geeinigt, die Rechtsstreitigkeiten jetzt jeweils nicht fortzuführen. Dies gilt sowohl für das Unterlassungsverfahren gegen Herrn Weinreich bezüglich der Aussage „unglaublicher Demagoge” als auch für das Gegendarstellungs- und Unterlassungsverfahren von Herrn Weinreich gegen den DFB bezüglich der Pressemitteilung vom 14.11.2008. Herr Weinreich verzichtet auf eine Durchsetzung der Gegendarstellung, der DFB legt gegen den Untersagungsbeschluss bezüglich der Pressemitteilung vom 14.11.2008 kein weiteres Rechtsmittel ein und gibt die Abschlusserklärung hierzu ab.

Hinsichtlich der Verfahrenskosten trägt jede Partei ihre Kosten selbst.

Dr. Ulrich Amelung für Jens Weinreich
Dr. Christian Schertz für den DFB e.V.

Das Recht am eigenen Bild (Hartplatzhelden verlieren es)

Ein NDR-Beitrag fasst es leider ganz gut zusammen – zumindest die Situation vor dem Urteilsspruch.

Ich hatte ja schonmal im letzten Sommer darüber geschrieben. “Ein weiterer schwarzer Tag für den deutschen Amateurfußball: Das Oberlandesgericht Stuttgart hat heute in zweiter Instanz dem Württembergischen Fußball-Verband entsprochen, der gegen uns auf Unterlassung klagt. Danach dürfen wir keine Videos mehr von Wettbewerbsspielen aus dessen Region zeigen.” So heißt es auf der Webseite von hartplatzhelden.de

Ein interessanter Jura-Blogeintrag findet sich bei juracity.de und auch SpOn berichtete ausführlich. Insgesamt ein schwarzer Tag (nicht nur für den deutschen Amateurfußball, sondern) für das Recht am eigenen Bild, es auch auf kommerzielle Plattformen hochladen zu können, wenn und wie man es will.

Hartplatzhelden und das Recht am bewegten Bild

Die Bundesliga wird über die DFL vermarktet. Und auch die anderen Profiligen – also die 2. Bundesliga und die Regionalliga und ab nächster Saison auch die 3. Bundesliga – werden zentral vermarktet. Man spricht auch von Zentralvermarktung. Dieser gehören die Amateurmannschaften nicht an. Sie unterstehen die Landesfußballverbänden. Und genau um diesen Amateurfußball geht es.

Mit hartplatzhelden.de gab es ein Online-Plattform für all die kleinen Wunder und Dramen des Amateurfußballs. Ein Youtube für den unbekannten Fußballer. Aber die Landesverbände hatten etwas gegen dieses Portal. Denn als GmbH ist diese Webseite gewinnorientiert und das passt nicht zu den gemeinnützigen Grundgedanken des Amateursports. So weit so gut. ABER: einen faden BEigeschmack hat diese Argumentation, wenn man weiß, dass auch die Landesverbände ein weitaus spießigeres, aber ähnliches Portal umgesetzt haben. Unter fussball.de kann man Fotos hochladen und Berichte schreiben zu allen möglichen Jugend und Seniorenspielen – eine tolle Sache.

Aber warum genau musste seitens der Landesverbände eine Klage gegen die hartplatzhelden angestrengt werden? Und warum gibt ein Gericht ihnen sogar noch Recht? Warum ist man immer so abhängig von Richtern, die im Zweifel das materielle Internet und nicht die Idee der freien Information kennen? Und was unterscheidet ein Portal wie hartplatzhelden.de von einer Lokalzeitung, wenn beide von den Amateurspielen berichten?

“Es kann nicht sein, dass die Kosten des Spielbetriebes von den ehrenamtlich geführten Amateurvereinen selbst getragen werden müssen, mögliche Einnahmen aber von gewinnorientierten kommerziellen Unternehmen wie der Hartplatzhelden GmbH abgeschöpft werden”, sagte Koch. “Deren Ansinnen, auf Kosten und zu Lasten des Amateurfußballs Gewinne zu erzielen, hat das Landgericht Stuttgart erfreulicherweise nunmehr einen Riegel vorgeschoben.”
Oliver Fritsch, einer der Macher der “Hartplatzhelden”-Seite, muss schmunzeln, wenn man ihn auf die angeblich hohen Gewinne seiner Seite anspricht: “Um ehrlich zu sein, zahlen wir derzeit drauf. Ich finde es allerdings nicht verwerflich, dass wir eines Tages auch einmal eine Redaktion am laufen halten wollen”. Den Vorwurf, mit dem Amateurfußball Geld zu verdienen, könne man schließlich jeder Lokalzeitung machen, sagt der Gießener Journalist SPIEGEL ONLINE weiter.