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Die (letzten) 5 Tortendiagramme zur WM 2014

Als Nachtrag und vielleicht letzter Post zur Fußball-WM 2014 in Brasilien will ich auch meine simple Auswertung der Fifa-Daten nicht vorenthalten.

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Zunächst ist da die erstaunliche Ausbeute von 18 Toren für den deutschen Rekordmeister FC Bayern München. In dieser so torreichen WM haben seine Spieler mit Abstand am meisten Tore geschoßen …

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… und dass, obwohl eigentlich die englische Liga auf die deutlich meiste Spielzeit bei dieser WM kommt.

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Aber wenn man genau hinschaut, hat Bayern München auch am meisten Spielminuten genossen. Das lag natürlich auch am starken Bayern-Block in der deutschen Nationalmannschaft. Aber ob Arjen Robben, Shaquiri oder Julian Green, das Fundament ist beim FC Bayern, das muss ich neidlos anerkennen wirklich breit.

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Wie sehr die europäischen Ligen die anderen Kontenentalverbände marginalisiert, habe ich mal hier dargestellt. Wobei die Statistik nach Anzahl der Tore mit über 88% aus UEFA-Ligen noch krasser ausfällt. Allerdings muss man sagen, dass es irgendwie auch die WM der CONCAF-Torhüter war. Mit Carlos Navas (Costa Rica), Guilermo Ochoa (Mexiko) und Tim Howard (USA) stellt die Konföderation aus Nord- und Mittelamerika gleich drei der vier besten Torhüter des Turniers.

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Und als letztes: die drei Ausrüster adidas, Nike und Puma dominieren auch die WM. Wobei adidas natürlich mit gleich beiden Finalteilnehmern als Gewinner der WM gelten darf.

Meine Top 8 Statistiken zur WM (und meine eigenen Überlegungen)

01 – The world cup of everything else – Wallstreet Journal

Vor der WM hatte das Wallstreet Journal ein schönes Was-wäre-wenn-Spiel, bei dem man in Dutzenden Kategorien den Weltmeister krönen konnte.
The world cup of everything else

02 – A Better Way to Rank Soccer Teams – New York Times

Die New York Times kritisierte zu Recht die Systematik des FIFA-Rankings und verglich es sehr plastisch mit dem ELO Ranking, das im Schach zum Einsatz kommt.
fifa ranking

03 – Top Ten Soccer Leagues – New York Times

Hier eine Verteilung der Spieler auf ihre jeweiligen Landesliga – auf die verschiedenen Endrunden gerechnet. Ähnliche Statistiken habe ich mir auch gebastelt (siehe unten).
top ten leagues

04 – The clubs that connect the world cup – New York Times

Und auch auf VEreinsebene gibt es einfach Vereine, die die Welt(spieler) zusammenhalten. Auch dazu gibt es unten mehr.
the clubs that connect the world cup

05 – How Fan Loyalty Changed During the World Cup – New York Times/Facebook

Zu wem gingen eigentlich die Fan-Sympathien nachdem das eigene Team ausgeschieden ist? Das erklären und die New York Times und Facebook.
facebook_support-flow
fan loyalty

06 – Twitter Karte

Twitter hat eine tolle interaktive Karte über Tweets zu den jeweiligen Spielen über eine Zeitachse.
Interaktive Twitter Karte
Tja, mit den Daten von bis zu 618,725 Tweets pro Minute (beim Finale) kann man schon ein paar schöne Auswertungen machen. Wie zum Beispiel auch die folgende:

07 – Twitter Mentions

In welchem Land wurde über welches andere Land zu welchem Zeitpunkt getwittert?
twitter mentions

08 – Fifa Statistiken & Castrol Index

Die FIFA hat ihre Statistikseiten echt gut gemacht. Hier sind die Top-Mannschaften in den Kategorien.
FIFA Mannschaften
Und den Castrol Index kannte ich auch noch nicht, ist aber eine recht spannende Spielerei, die bewertet, ob die Einzelaktionen eines Spieler sich auf das Spiel der Mannschaft positiv oder negativ ausgewirkt hat.
FIFA Castrol Index

Meine Top 11 der Fußball-WM 2014

Hier meine 11 der WM:

Guillermo Ochoa (TW Mexiko) – oder doch Carlos Navas aus Costa Rica? Wahrscheinlich ist Neuer der weltbeste Torhüter, Ochoa und Navas konnten aber die spektakulärsten Paraden hinlegen.

Ricardo Rodriguez (LV Schweiz) – Kein Turnier für Außenverteidiger, die sich der allgemeinen neuen Defensivtaktik unterordnen mussten. Rodriguez ist mir noch am ehesten positiv auf links aufgefallen.
Mats Hummels (IV Deutschland) – Superwichtiger Mann für den deutschen Defensivverbund und immer gefährlich bei Standardsituationen.
Mario Yepes (IV Kolumbien) – Für mich vielleicht der Spieler des Turniers. Hat mit seinen 38 Jahren nur ein Foul begangen. Als Innenverteidiger.
Fabian Johnson (RV USA) – Wie gesagt – kein Turnier für Außenverteidiger. Johnson spielte selten rechts hinten, aber immer gut.

Marouane Fellaini (DM Belgien) – Kam im ersten Gruppenspiel in der 74. Minute und traf gleich. Für mich der Charakterkopf der Belgier.
Javier Mascherano (DM Frankreich) – An dieser Stelle stand bis zum Halbfinale der Franzose Pogba, aber MAscherano hat das Halbfinale fast im Alleingang bestritten. Beeindruckend harter Spieler.
Arjen Robben (OM Niederlande) – Das Spiel gegen Spanien war der Wahnsinn. Das war Weltklasse und vielleicht die beste Individualleistung des Turniers.
Lionel Messi (OM Argentinien) – Der argentinische Floh. Diesmal konnte er endlich auch mal im Nationaltrikot überzeugen.

Thomas Müller (ST Deutschland) – Wäre der deutsche Zug ohne Müllers Tore jemals in Fahrt gekommen? Wohl kaum.
James Rodriguez (OM Kolumbien) – Toller Tänzer, toller Spieler. Schoss die zwei schönsten WM-Tore. Und Torschützenkönig.

Huch, gar kein Brasilianer. Aber nach den Tretervorstellungen, konnte ich mich nicht überwinden.

Vergleichen kann man das gerne mit meiner Top 11 zur EM 2012 in der auch schon Hummels zu finden ist. Meine Top 11 zur WM 2010 in Südafrika, in der natürlich Müller auftaucht. Oder meine Top 11 der WM 2006.

Die Ukraine, die UEFA und die Menschenrechte

No sports, please! Das diese Einstellung jung hält, wusste schon Winston Churchill. Ähnliches scheint auch Joseph Blatter umzutreiben mit seiner Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften in eines der autokratischsten und demokratiefeindlichsten Länder der Welt nach Katar.

Die UEFA versuchte sich gegen die FIFA und auch aus einem eigenen europäischen Selbstverständnis immer ein wenig anders zu positionieren und UEFA-Präsident Lennart Johansson (1990-2007) und Michel Platini (seit 2007) haben sich meist gegen Blatter und sein System der Korruption gestellt. Und doch hat die UEFA jetzt ein Problem.

Als in der Ukraine die Orange Revolution 2004 den liberalen Wiktor Juschtschenko an die Macht brachte, schienen alle Institutionen Europas diese Demokratisierung unterstützen zu wollen. 2007 wurde die EM 2012 von der UEFA an die Ukraine und Polen vergeben (Italien und die Doppelbewerbung durch Ungarn und Kroation waren die Konkurrenten).

Kühne Vergabepraxis der EM durch die UEFA

Die kühne Vergabe der EM 2012 an Polen und die Ukraine durch die UEFA war ein leider wohl verfrühter Versuch, die Bevölkerung der Ukraine noch stärker an Mitteleuropa zu binden. Das kann und will ich der UEFA und Michel Platini nicht vorhalten. Und da sie heute nunmal beginnt, die EURO 2012, wollte ich meine Gedanken doch nochmal loswerden – und dieses wunderschöne Zeitdokument der WM 1978 in Argentinien hervorkramen.

Dort wurde 1976 durch den Militärapparat die Regierung geputscht (mit moralischer Unterstützung der USA). Heute geht man von 30.000 Todesopfern aus, die in der Zeit verschleppt, gefoltert oder im Kampf gegen die Guerilla gestorben sind. Einen Boykott hat es damals nicht gegeben.

Blatter, FIFA und der FA-Cup

Der von der FIFA organisierte internationale Fußball ist schon seit jeher eine Lachnummer. Und heute umso mehr. Nicht nur, dass die beiden Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar ganz offensichtlich verkauft wurden. Joseph Blatter nimmt’s gelassen, sein Konkurrent um den Fifa-Vorsitz aus Katar (sic!) Bin Hammam ist abgetreten (wegen Korruptionsverdacht), ebenso Jack Warner, der CONCAF Präsident – für Blatter ist eine weitere Amtszeit nahezu sicher.

Noch dazu werden jetzt nach einem Untersuchungsbericht der von der Fifa eingesetzten Ethik-Kommission (hallo, Frau Merkel!) pikante Details bekannt:

Einer der Beschuldigten soll laut Untersuchungsbericht des englischen Fußballverbandes auch der britischen WM-Bewerbung seine Stimme angeboten haben. Im Gegenzug soll er verlangt haben, dass der traditionsreichste Pokalwettbewerb auf der Insel, der nach dem englischen Fußballverband benannte FA-Cup, künftig seinen Namen tragen solle

Hier auch noch ein ganzer Artikel der t-online.de.

Unser Reporter auf Genf von der Fifa ist wie so häufig Jens Weinreich, der die aktuelle Situation als Fifa-Tsunami beschreibt.