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Die doppelte Hinrichtung des Saddam H.

In der Süddeutschen Zeitung ist ein Artikel über die Bildsprache der beiden Exekutionsvideos Saddam Husseins erschienen. Er stellt die These auf, dass es sich um komplimentärstücke handelt, die den Schluss zulassen, dass auch das inoffizielle (sic!) Video – mutmaßlich gefilmt mit einer Handykamera – als Teil der offiziellen Inszenierung der Exekution gelten muss.

Beide Filme akzentuieren bestimmte Aspekte der Exekution. Ihre Inszenierungsweise hat den Verbreitungsweg bereits im Sinn: Das erste, mehr offiziöse denn offizielle, Video war für die traditionellen Medien bestimmt, staatstragend wird die Hinrichtung des Despoten nicht gezeigt, aber bewiesen.
Das inoffizielle Video, das alle ästhetischen Merkmale des Authentischen zeigt – Wackelbilder, schlechte Lichtverhältnisse, Stimmengewirr – gibt jedem die Gelegenheit, sich im Netz vom Tod Saddam Husseins zu überzeugen. Die Videoportale, die bis jetzt von Unterhaltungsclips dominiert wurden, sind damit auch zu einem politischen Medium geworden.

EDIT: Außerdem möchte ich gerne aus einem Kommentar der FAZ zitieren:

Und insofern besteht der Skandal des Saddam-Videos nicht darin, dass es diese Bilder gibt – ganz im Gegenteil, man muss, so brutal das klingen mag, dem Menschen, der sie machte, dankbar sein. Denn die offiziellen Nachrichten verkündeten, dass eben alles rechtens gewesen sei. Und erst die angeblich so geschmacklosen Bilder zeigten, dass es nicht so war. Der Delinquent wurde beschimpft, verhöhnt und durfte sein Gebet nicht zu Ende sprechen – was die Bilder zeigen, sieht aus wie ein schmutziger Mord, und die Empörung über diese Bilder nährt wieder einmal den Verdacht, dass der Bote hier mit der Botschaft verwechselt wird. Der Skandal besteht in dem, was diese Bilder dokumentieren.