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DFL Versager

Am Dienstag sang Madonna im Waldstadion. Eine Tatsache, die seit Monaten bekannt ist. Dennoch setzte die DFL (Deutsche Fußball Liga) das Heimspiel von Eintracht Frankfurt gegen der Karlsruher SC auf den heutigen Freitag. Nicht etwa auf einen Samstag oder Sonntag – denn da sollten die Mannschaften spielen, die deutsche Nationalspieler im Team haben oder eben ein besseres Standing bei den Verantwortlichen der DFL.

So blieben also 26 Stunden um nach dem Konzert (Bühne musste ja auch abgebaut werden) neuen Rasen zu verlegen, weil der alte zerstört werden würde. Das hätte reichen können, wäre knapp geworden, hat nicht gereicht. So fällt das Spiel heute aus, wird 7,5 Stunden vor Anpfiff abgesagt. Und wer ist schuld? Die Totalversager der DFL, die es offensichtlich auf einen Machtkampf gegen den Stadionbetreiber aus Frankfurt führen wollte, und sich nun ins eigene Fleisch schneidet, denn kurzfristig kann natürlich kein neues Spiel für heute angesetzt werden. Und ein Spiel, dass nicht stattfindet kann man nicht verkaufen. Nicht an Premiere, nicht ins Ausland.

Der Eintracht sollte das auf der einen Seite ganz gut passen – wir haben ja einige Verletzte, und Nationalspieler Aaron Galindo ist erst heute früh aus Mexiko von seinen Länderspielen zurück gekommen. Andererseits folgt nun wieder ein Auswärtsspiel – das nun dritte in Folge.

Hartplatzhelden und das Recht am bewegten Bild

Die Bundesliga wird über die DFL vermarktet. Und auch die anderen Profiligen – also die 2. Bundesliga und die Regionalliga und ab nächster Saison auch die 3. Bundesliga – werden zentral vermarktet. Man spricht auch von Zentralvermarktung. Dieser gehören die Amateurmannschaften nicht an. Sie unterstehen die Landesfußballverbänden. Und genau um diesen Amateurfußball geht es.

Mit hartplatzhelden.de gab es ein Online-Plattform für all die kleinen Wunder und Dramen des Amateurfußballs. Ein Youtube für den unbekannten Fußballer. Aber die Landesverbände hatten etwas gegen dieses Portal. Denn als GmbH ist diese Webseite gewinnorientiert und das passt nicht zu den gemeinnützigen Grundgedanken des Amateursports. So weit so gut. ABER: einen faden BEigeschmack hat diese Argumentation, wenn man weiß, dass auch die Landesverbände ein weitaus spießigeres, aber ähnliches Portal umgesetzt haben. Unter fussball.de kann man Fotos hochladen und Berichte schreiben zu allen möglichen Jugend und Seniorenspielen – eine tolle Sache.

Aber warum genau musste seitens der Landesverbände eine Klage gegen die hartplatzhelden angestrengt werden? Und warum gibt ein Gericht ihnen sogar noch Recht? Warum ist man immer so abhängig von Richtern, die im Zweifel das materielle Internet und nicht die Idee der freien Information kennen? Und was unterscheidet ein Portal wie hartplatzhelden.de von einer Lokalzeitung, wenn beide von den Amateurspielen berichten?

“Es kann nicht sein, dass die Kosten des Spielbetriebes von den ehrenamtlich geführten Amateurvereinen selbst getragen werden müssen, mögliche Einnahmen aber von gewinnorientierten kommerziellen Unternehmen wie der Hartplatzhelden GmbH abgeschöpft werden”, sagte Koch. “Deren Ansinnen, auf Kosten und zu Lasten des Amateurfußballs Gewinne zu erzielen, hat das Landgericht Stuttgart erfreulicherweise nunmehr einen Riegel vorgeschoben.”
Oliver Fritsch, einer der Macher der “Hartplatzhelden”-Seite, muss schmunzeln, wenn man ihn auf die angeblich hohen Gewinne seiner Seite anspricht: “Um ehrlich zu sein, zahlen wir derzeit drauf. Ich finde es allerdings nicht verwerflich, dass wir eines Tages auch einmal eine Redaktion am laufen halten wollen”. Den Vorwurf, mit dem Amateurfußball Geld zu verdienen, könne man schließlich jeder Lokalzeitung machen, sagt der Gießener Journalist SPIEGEL ONLINE weiter.

Lauter fiese Hooligans II

Nachdem Herr Müller schon auf den ersten Artikel eine drei-teiligen Serie hingewiesen hat, kommentiere ich derweil den zweiten. Im Spiegel wird dabei unter anderem die zivilgerichtliche Überprüfung von von der DFB ausgesprochenen Stadionverboten betont. Der Beginn eines Ermittlungsverfahrens löst dabei grundsätzlich ein solches Verbot aus, bundesweit. Dabei reicht für dieses Verfahren ein begründeter Anfangsverdacht, der oft genug einer gerichtlichen Überprüfung nicht stand hält. Dennoch fehlen den Betroffenen oft die Mittel, um gegen die Verbote vorzugehen.

Außerdem berichtet der Spiegel unter der Überschrift “Wer unverdächtig ist, ist verdächtig” über den in der Fanszene sehr bekannten Fall einer damals 16-jährigen Dynamo Dresden-Anhängerin.

Im März 2005, an einem Freitagabend, begleitet Corinna, damals 16 Jahre alt, ihre Mannschaft zu einem Spiel nach Saarbrücken. Der Trip in die Ferne verläuft normal, bis sie vor dem Stadion von der Polizei aufgefordert wird, sich für eine Durchsuchungsmaßnahme in ein eigens dafür aufgebautes Zelt zu begeben. Dort muss sie sich schließlich in Gegenwart zweier Beamtinnen komplett entkleiden. Ihr Mentor, der für die Prozesskosten aufkommt, war damals auch vor Ort. Er weiß von “mehr als 20” Frauen, die ebenfalls den Blick unter Slip und BH hätten frei geben müssen, auch eine zirka 50-Jährige sei darunter gewesen.

Ende Mai 2006 weist das zuständige Verwaltungsgericht Corinnas Klage gegen die Landespolizeidirektion Saarland ab. Die Maßnahme gegen den Teenager sei “erforderlich” und “verhältnismäßig” gewesen, denn es habe “lediglich eine Nachschau nach Fremdkörpern in der Kleidung und eine Beschau des unbekleideten Körpers stattgefunden” – jedoch keine “Inaugenscheinnahme von natürlichen Körperöffnungen”.
Laut Gericht hatten Dresdner Polizisten die Kollegen in Saarbrücken darüber informiert, dass erfahrungsgemäß “unverdächtige Dynamo-Fans” Waffen, Rauchpulver und Signalmunition transportieren würden. Der Kreis dieser “Unverdächtigen” umfasse “unscheinbare, jüngere oder ältere und insbesondere weibliche Personen”, die man normalerweise nicht “der gewalttätigen Fanszene” zuordne.

Das Verwaltungsgericht vertritt die Position, Corinna habe “dem Profil der Transportklientel voll und ganz entsprochen”: unscheinbar, jung oder alt, und insbesondere weiblich. Derzeit hofft Corinna, dass ihre Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts zugelassen wird.

Auf nie mehr Wiedersehen Rechtsstaat! Willkommen Überwachungs- und Willkürstaat! Im Fußball sind wir – was die Bürgerrechte angeht – in Deutschland schon so weit wie in jeder Bananenrepublik.