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Zum Geburtstag viel Glück!

Normalerweise sagt man ja “Bleib wie du bist!” oder ähnliches. Das muss man sich wohl in diesem Fall verkneifen. Leider bin ich da wohl nicht Teil einer Mehrheit:

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Die Grafik stammt aus einem Zeit Artikel von vorletzter Woche.
Heute wird also der 60te Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland damit begangen, dass ein neuer Bundespräsident von der Bundesversammlung gewählt wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es ein Vertreter des kapitalistischen Systems sein, das für die größte Systemkrise seit Bestehen der Bundesrepublik verantwortlich ist und in der wir uns noch auf unbestimmte Zeit befinden werden.

Wie anders Symbolpolitik aussehen könnte zeigt die immer wiederkehrende Diskussion um den 9. November als Nationalgedenktag oder aber die etwas in den Hintergrund gerückte Debatte um die Nationalhymne, die ich für untragbar halte und zu der es tolle Vorschläge gibt und gab, z.B. die Kinderhymne von Bert Brecht.

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Auch die Süddeutsche greift die Debatte anlässlich des Geburtstages auf und schlägt eine Kombination aus Deutschlandlied und DDR-Hymne vor.

Es gibt also noch spannende und gute Ideen auch wenn man über 60 ist, sollte ein “Das haben wir schon immer so gemacht” nicht reichen, um Bürger zu überzeugen.

Lauter fiese Hooligans II

Nachdem Herr Müller schon auf den ersten Artikel eine drei-teiligen Serie hingewiesen hat, kommentiere ich derweil den zweiten. Im Spiegel wird dabei unter anderem die zivilgerichtliche Überprüfung von von der DFB ausgesprochenen Stadionverboten betont. Der Beginn eines Ermittlungsverfahrens löst dabei grundsätzlich ein solches Verbot aus, bundesweit. Dabei reicht für dieses Verfahren ein begründeter Anfangsverdacht, der oft genug einer gerichtlichen Überprüfung nicht stand hält. Dennoch fehlen den Betroffenen oft die Mittel, um gegen die Verbote vorzugehen.

Außerdem berichtet der Spiegel unter der Überschrift “Wer unverdächtig ist, ist verdächtig” über den in der Fanszene sehr bekannten Fall einer damals 16-jährigen Dynamo Dresden-Anhängerin.

Im März 2005, an einem Freitagabend, begleitet Corinna, damals 16 Jahre alt, ihre Mannschaft zu einem Spiel nach Saarbrücken. Der Trip in die Ferne verläuft normal, bis sie vor dem Stadion von der Polizei aufgefordert wird, sich für eine Durchsuchungsmaßnahme in ein eigens dafür aufgebautes Zelt zu begeben. Dort muss sie sich schließlich in Gegenwart zweier Beamtinnen komplett entkleiden. Ihr Mentor, der für die Prozesskosten aufkommt, war damals auch vor Ort. Er weiß von “mehr als 20” Frauen, die ebenfalls den Blick unter Slip und BH hätten frei geben müssen, auch eine zirka 50-Jährige sei darunter gewesen.

Ende Mai 2006 weist das zuständige Verwaltungsgericht Corinnas Klage gegen die Landespolizeidirektion Saarland ab. Die Maßnahme gegen den Teenager sei “erforderlich” und “verhältnismäßig” gewesen, denn es habe “lediglich eine Nachschau nach Fremdkörpern in der Kleidung und eine Beschau des unbekleideten Körpers stattgefunden” – jedoch keine “Inaugenscheinnahme von natürlichen Körperöffnungen”.
Laut Gericht hatten Dresdner Polizisten die Kollegen in Saarbrücken darüber informiert, dass erfahrungsgemäß “unverdächtige Dynamo-Fans” Waffen, Rauchpulver und Signalmunition transportieren würden. Der Kreis dieser “Unverdächtigen” umfasse “unscheinbare, jüngere oder ältere und insbesondere weibliche Personen”, die man normalerweise nicht “der gewalttätigen Fanszene” zuordne.

Das Verwaltungsgericht vertritt die Position, Corinna habe “dem Profil der Transportklientel voll und ganz entsprochen”: unscheinbar, jung oder alt, und insbesondere weiblich. Derzeit hofft Corinna, dass ihre Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts zugelassen wird.

Auf nie mehr Wiedersehen Rechtsstaat! Willkommen Überwachungs- und Willkürstaat! Im Fußball sind wir – was die Bürgerrechte angeht – in Deutschland schon so weit wie in jeder Bananenrepublik.

Top10

Bei Therapy gab es ja immer die Frage, ob man seinem Gegenüber zutraue, dass er mindestens einen Titel der aktuellen Musik-Top10 kenne. Ich dachte mir dabei immer, naja, so weltfremd kann man ja kaum sein, dass man nicht wenigstens einen Titel kennt. Und doch musste ich heute feststellen, dass ich alle 10 Titel entweder nicht kenne oder nicht dort vermutet hätte.

Hier die aktuellen Top10 vom 1.9.06, die sog. “Hitlist Germany” (!):
1 (1) Xavier Naidoo – Danke
2 (3) Rihanna – Unfaithful
3 (2) Vibekingz feat. Maliq – Like The Wind
4 (4) Gnarls Barkley – Crazy
5 (5) Pussycat Dolls Feat. Snoop Dogg – Buttons
6 (-) Nelly Furtado feat. Timbaland – Promiscuous
7 (6) Christina Aguilera – Ain’t No Other Man
8 (7) Nelly Furtado – Maneater
9 (-) Beyoncé – Déjà Vu
10 (8) Shakira feat. Wyclef Jean – Hips Don’t Lie

In Klammern die Platzierungen der Vorwoche