Noch sind meine Daten nicht verloren

Habe wohl Glück gehabt, denn keine Email bekommen von WISO, die gestern massenhaft Mails verschickten, an User deren Daten sie von einem chinesischen Server geladen hatten. Verantwortlich scheint eine Registrierung bei einer Wirtschaftprüfung zu sein bei der sich die Betroffenen beworben hatten. Die hatten ihre Daten wohl nicht verschlüsselt.

Jedenfalls warnt die Mail von WISO davor das Passwort weiter zu verwenden. Und die Aufmerksamkeit der Empörer hat sie jedenfalls. Lesenswerter als die Artikel sind jedoch die Kommentare.

Edit: Mittlerweile kann man den Namen verraten. Die Wirtschaftsprüfer, die sich ihre Bewerberdatenbank haben klauen lassen sind PricewaterhouseCooper, ein Big-4 Unternehmen. Zur Pressemitteilung geht’s hier.

Wann Google Chrome nach Hause telefoniert (Edit)

Das ist ja die spannendste Frage gewesen. Datenkrake Google jetzt auch noch in meinem Browser? Naja, Matt Cutts klärt uns auf, “um Paranoia zu verhindern”, wie er sagt:
* Beim Surfen und Klicken auf Links gehen keine Daten an Google.com
* Gibt man eine URL in die Adresszeile ein, wird dies versendet und Vorschläge von Google.com geladen – dieses Feature kann man ausstellen
* Alle 25 Stunden checkt Google Chrome, ob es Updates gibt
* Alle 30 Minuten lädt es eine Liste an möglichen Malwares und Phishing-Adressen
* Beim Sprachenwechsel lädt Google Chrome eine Quelldatei

* Crash-Reports oder andere anonyme Nutzerstatistiken werden nicht versendet

Im Original gibt’s das ganze auf Matt Cutts Blog zu lesen.

Edit: Bekanntlich erzeugt Chrome ja eine eindeutige ID, die auch beim Versionscheck – also alle 25 Stunden mit der Zentrale abgeglichen wird. Man kann die eindeutige ID jedoch (noch) ganz einfach aushebeln, wie der GoogleWatchBlog schreibt.

Datenschutz in GB

Die BBC berichtet – aufdecken kann man in so kleinen Dimensionen in Sachen Datenschutz in Großbritannien eh nix mehr – von einem Geschäftskunden der Lloyds-TSB-Bank. Für das Telefon-Banking sollte er ein neues Passwort wählen, weil das zuvor von ihm vergebene “Lloyds is pants” (“Llodys ist scheiße”) von einem Bank-Mitarbeiter zu “no it’s not” geändert wurde.

Doch auch der Versuch, telefonische ein neues Passwort einzusetzen, scheiterte am Widerstand des Kundenbetreuers der Bank. Weder “Barclays is better” noch “Lloyds is rubbish” wurden akzeptiert. Für ihn gibt es nun Spezialregeln zur Passwortvergabe. Er durfte nur noch ein nicht mehr als sechs Zeichen langes Kennwort wählen.

Die Bank entschuldigte sich mittlerweile und äußerte, dass Mitarbeiter üblicherweise das Passwort nur bei bestimmten Geschäftskunden sehen könnten, bei denen mehr als eine Person Zugriff auf die Kontobewegungen hätte. Bei anderen Konten sei dies nicht möglich.

(via: heise.de)

Transparency and Democracy

In Finnland wird einmal im Jahr ein Buch vom Finanzamt herausgegeben, dass ziemlich genau zeigt, wer wieviel Einkommen hat. Man kann dort also genau nachschlagen, wieviel ein Nachbar oder Freunde in ihrem Job verdienen. Klingt komisch? Nicht nur für uns Deutsche – den Italienern zum Beispiel geht das bestimmt auch so.

Dort allerdings hat das Finanzministerium genau diese Daten ins Internet gestellt. Reuters schreibt:

Italians were surprised, and in some cases outraged, on Wednesday to discover their income levels were available for public viewing on an Internet site [agenziaentrate.gov.it].
As part of a crack-down on tax evasion, the outgoing centre-left government made public every citizen’s declared taxable income on the state’s tax website

Datenschützer und Politiker der Rechten erreichten noch am Mittwoch, dass die Daten wieder aus dem Netz verschwinden. Die Skandinavier haben eben doch ein anderes Verhältnis zu Transparenz und Demokratie.

EDIT: Jetzt muss ich doch noch einen Kommentar aus selbigen Blogeintrag zitieren., denn folgender Umstand war mir nicht bekannt:

Just to add some info. In Italy, by the law (and it was from a lot of years) you can go to a local tax office and ask for other people tax declaration.
They are public in our country. So the only new thing is that they are published online, not a big difference as long anyone can already take this data and publish everywere (some times newspaper did this in the past and none complain about).

(via: GoogleBlogoscoped)

StudiVZ ist eine Petze

So sicher sind also die Daten bei StudiVZ. Es scheint derzeit Usus, dass StudiVZ Klarnamen an die Polizei herausgibt. Dies gibt der Geschäftsführer gerne in einem Interview mit Spiegel Online zu:

SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?
Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben. Nutzungsdaten speichern wir bei allen Nutzern, die uns das erlaubt haben durch ihre Einwilligung.
SPIEGEL ONLINE: Wie viele sind das?
Riecke: Sehr viele. Weit über 90 Prozent.
SPIEGEL ONLINE: Hat es den Fall mit dem Joint oder der Wasserpfeife in der Hand schon einmal gegeben?
Riecke: Wir bekommen täglich Anfragen von Behörden, die kenne ich nicht im Detail.
SPIEGEL ONLINE: Wie viele Anfragen sind das?
Riecke: Gut zehn in der Woche.
SPIEGEL ONLINE: Worum geht es da?
Riecke: Am häufigsten Jugendschutz, Beleidigung, Volksverhetzung, Verletzungen von Persönlichkeitsrecht zum Beispiel durch Fake-Profile.

(via: Die Welt)

Daten im Zeiten des Wahlkampfes

Es gibt ja keinen Tag mehr an dem sich die Hessen-CDU nicht zum Vollbrot macht. Die von der Bild-”Zeitung” heftigst unterstützte Jugendkriminalitätskampagne inklusiver rassistischer Spitzen mit dem einzigen Ziel den politischen Gegner zu provozieren, lass ich jetzt mal beiseite. Zuletzt war es die Kriminalstatistik, die normalerweise Mitte Februar veröffentlicht wird. Merkwürdig, findet auch Georg Leppert in einem Kommentar der FR:

Diese Journalisten. Undankbares Volk. Jahrelang nerven sie schon Anfang Januar und wollen Zahlen. Und nie haben sie den Polizeisprechern geglaubt, dass die Auswertung der Kriminalstatistik Zeit braucht – bis Mitte Februar, wenn nicht länger. Jetzt aber, wo die Statistik wie durch ein Wunder schon am 18. Januar vorliegt, ist es auch nicht recht. Da stellen sie kritische Fragen, ob die frühe Veröffentlichung mit der Landtagswahl zu tun haben könne. Absurd.
Die Frankfurter Polizeireporter haben sich jedenfalls vorgenommen, Mitte Januar 2009 nach den Zahlen für dieses Jahr zu fragen. Mal sehen, ob die dann schon vorliegen. So ganz ohne Wahlkampf.

Merkwürdig auch, dass

auf der Titelseite der Kriminalstatistik, auf der die wichtigsten Entwicklungen stehen, zwar die “traumhafte Aufklärungsquote” (Polizeipräsident Thiel), nicht aber der (ganz, ganz leichte) Anstieg der Fallzahlen genannt ist, hat in Sachen Wahlkampf auch nichts zu bedeuten. War halt kein Platz mehr auf der Seite.

Gut, dass ist jetzt auch schon ein paar Tage her. Der Skandal von heute betrifft den Datenschutz in Zeiten des Wahlkampfes. Offenbar wurde von der Hessen-CDU Wahlwerbung über einen Email-Verteiler des staatlichen Schulamts verschickt.

Das Schreiben vom 14. Januar ist an alle hessischen Eltern- und Schulelternbeiräte, die Lehrkräfte, Schulleiter sowie alle Schüler gerichtet. [CDU-Politiker] Boddenberg wendet sich darin gegen schulpolitische Absichten der SPD und zieht eine positive Bilanz der CDU-Bildungspolitik. Die Adresszeile der E-Mail trägt eine interne Kennung, wie sie von den hessischen Schulämtern verwendet wird. Diese ist nicht öffentlich zugänglich.

Alles was dem Verantwortlichen CDU-Funktionär bleibt, ist sein zynischer Kommentar, dass die Daten ja alle frei im Internet zu finden waren (hat ein Mitarbeiter zusammengeklaubt). Wer jemals eine Akquiseliste zusammengestellt hat, erkennt die Lüge in Millisekunden. So gehen also die CDU-Politiker mit unseren Daten um, die sie doch nur für unsere Sicherheit sammeln wollen. Das sind fast großbritannische Verhältnisse.

Next Page »