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Richtige Stürme

Kyrill war ja wohl der beschissenste Medienhype des neuen Jahres. In den Sondersendungen (! vgl. hier) des schlechtesten Senders Deutschland – nein, nicht 9live – dem HR wurden alle 5 Minuten THW- und Feuerwehrleute im Einsatz mit Suggestivfragen bombadiert. Marke: “Ist das nicht der schlimmste Sturm, den Sie je erlebt haben.” Woraufhin die meist verduzt dreinschauenden Gesprächspartner eher unvorbereitet etwas von “Naja, schon ein paar mal erlebt.” faselten. Im Studio gleichzeitig mehrere Fachmenschen darüber philosophierten, dass man doch ja keinen Schritt vor die Tür setzen sollte und sogar der Maintower evakuiert sei (ok, das mussten sie dann wieder zurücknehmen). Die Livebilder vom Maintower zeigten dann gar nicht, kein Schwanken, höchstens ein Zittern der Kamera, die wohl am Nachbargebäude angebracht war. Und mein Unihockey ist auch ausgefallen – wegen zu starken Sturms, in der Halle.

Immerhin der Lehrter Bahnhof in Berlin musste dran glauben, der heißt ja jetzt doch nur noch Hauptbahnhof und gegen den vom Architekten erfolgreich geklagt wurde, wegen zu großer baulicher Veränderungen durch die grandiose Deutsche Bahn AG und deren Chef Mehdorn, dem ich zutraue sogar selbst an den Bauplänen Hand angelegt zu haben. Die tonnenschweren Stahlträger jedenfalls, die wohl weder verschweist noch vernietet waren – wieso hielt das Ding überhaupt? – fielen wie Streichhölzer

(Ja, ne. Iss klar, man sieht nix.)

Was ein echter Sturm anrichtet zeigte sich derweil in Südafrika, während eines Fußballspiels. Erinnerung: Dies ist das WM-Gastgeberland 2010. Da kann man nur froh sein, dass da niemand geköpft wurde.

(via: fanartisch.de)

1. Mai in Berlin

Nachdem der 1. Mai in Bayern (ähm … Franken) wohl ganz friedlich verlief, und ich auch aus Heppenheim und Worms noch keinerlei Informationen über das Ausmaß des rechtsradikalen Aufmarschs habe, berichte ich euch mal über meine Berlinerfahrungen. (Leider ohne Fotos, weil nur analoge Kamera und so …)
Jedenfalls war ich am Freitag in Berlin angekommen in einer wirklich sehr netten WG mit dem besten Döner Kreuzbergs direkt um die Ecke. Wobei das vielleicht auf jede Straße Kreuzbergs zutrifft. Erst als wir darauf aufmerksam gemacht wurden, fiel uns auf, dass die Ladenbesitzer schon am Nachmittag des 29.4. ihre Läden mit Pressspanplatten verrammelten. Die Banken hatten “Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Von 28.4. bis 2.5. geschlossen” Schildchen an ihren Eingängen, weshalb ich jetzt keinen cent mehr in der Tasche hab. Und es war alles friedlich.
Auch am Oranienplatz, in dessen Nähe wir (die Eintrachtfans) am Samstag unsere Niederlage feierten als wäre es ein Sieg gewesen (hunderte Leute auf der Straße bis 3-4 Uhr nachts), war alles wahnsinnig friedlich. Am nächsten morgen hab ich dann also meine Marathon-Sightseeing-Tour durch Berlin gemacht. Dabei war ich auch im Mauerpark – sehr nett da – und dort war die Mauer doch tatsächlich mit so weiß-rotem Absperrband von der Polizei abgesperrt, hunderte Polizisten und so. Und ich, der Tourist, frage, ob da ein Fußballspiel in dem Stadion ist, das sich direkt nebenan befindet. Muss sich der Polizist innerlich gefreut haben. (Allerdings hab ich diesem Tag so einige Pollizisten nach dem Weg gefragt, und kein einziger kam aus Berlin, also hatten die vermutlich auch von gar nix ne Ahnung.) Naja, abends hab ich dann gewusst, wieso das abgesperrt war. In ganz Prenzlau waren Leute auf der Straße und dieser Park war im Prinzip der Zentrum des Geschehens. ^^
Mittlerweile waren noch viel mehr Polizisten da, haben Straßensperren aufgebaut, die man nur ohne Waffen passieren durfte (*respekt*), und es war immernoch friedlich. Auf dem Heimweg bin ich wieder durch Kreuzberg gelaufen: auch immernoch ales friedlich. Und dann komm ich gestern Mittag nach Hause und lese das. Und ich hab’s verpasst.