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Herdprämie (nicht ganz) zu unrecht Unwort

Das Gremium, das das Unwort des Jahres kürt und keinen sinnvollen Namen trägt, seitdem es sich von der Gesellschaft für deutsche Sprache outgesourced hat, um freier jurieren zu können, hat getagt. Mit dabei meine Professorin Nina Janich – lustig seine Profs vor der Arbeit im Morgenmagazin zu sehen. Gekürt haben sie das Unwort Herdprämie (sowie “klimaneutral” und “entartet” – kaum erklärungsbedürftig). Nur warum?

Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen.

Ahja, nagut, wenn die Jury meint. Aber so ganz verstehe ich die Kritik nicht, denn eigentlich beschreibt das Wort (morphologisch und semantisch) ganz gut, was gemeint ist, wenn man jetzt mal die unterstellte Diffamierungsabsicht hinten runter fallen lässt. Andererseits hat der Begriff durchaus als Unwort seine Berechtigung, wurde er doch unreflektiert von den Befürwortern der offiziell Betreuungsgeld genannten finanziellen Unterstützung verwendet.

Was jedoch fehlt als Unwort ist ganz klar der Bundestrojaner. (Die Vorratsdatenspeicherung ist zwar ein Unding, und qua beamtendeutscher Morphologie auch ein Unwort, aber eben nicht im Sinne eines Unworts – wenn ihr versteht.) Das Wort Bundestrojaner jedoch verwischt die Grenzen zwischen Kriminalität und Legalität, eben ohne Zynismus und Menschenverachtung im Namen zu tragen. Ein Trojaner – also eine höchst kriminelle Technologie wird durch das Präfix Bundes- linguistisch in den Rang der Exekutive gehoben. Ganz klar – die Jury hat sich vertan. Auf klimaneutral hätte man nun wirklich verzichten können.

Open Flair 2007

Mein Post zum Open Flair 2007 ist ja fast schon ein Nachtrag zu meinem Fotoblog-Beitrag, den ich immerhin schon gleich am Montag absetzen konnte. Am Freitag fuhren wir also los, standen im Stau und mussten feststellen, dass überall die Sonne schien nur nicht in Eschwege – da regnete es wie schon seit Tagen und unser Campingplatz war Matsch. Das war zunächst nicht schlimm, denn wir hatten ein großes Zelt (Marke “unten offen”) und genügend Plastikplanen und man konnte ja die Stelle wo man liegen würde noch formen, und es würde weich sein.

Nette Idee. Funktionierte aber irgendwie nicht. Stattdessen regnete es auch weiter bis Samstag, trotz der Wettervorhersagen und trotz des Sonnenscheins im übrigen Hessen. Zudem kostete uns Stau, Zeltaufbau und vor allem die dilettantische Security des Festivals die Band Mad Caddies (Turbostaat – nicht zu verwechseln mit Turbonegro – hatte eh abgesagt). Madsen spielte ein wie gewohnt mittelmäßiges Konzert, und auch die Beatsteaks finde ich ja nicht so den Hammer. Dafür war Götz Widmann der Ober-Act des Tages. Was der mit seinem Liedermaching für eine Power auf der Bühne hatte, da hätten sich Beatsteaks und Konsorten ne Scheibe abschneiden können.

Am zweiten Tag gingen wir gemütlich in die Stadt frühstücken, während man vor den Dixies auf dem Zeltplatz schon 15 Zentimeter tief im Matsch versank. Es hatte die komplette Nacht durchgeregnet. Halb mutwillig, halb wegen der immer noch dilettantischen Security verpassten wir Karpatenhund. Aber ganz klar heute waren eh die Monsters of Liedermaching und die Sportfreunde Stiller (ja, sie haben den Mist gespielt “54, 74, 90, 2010”) die Hauptacts. Trotzdem ein tolles Konzert, dass für bestimmt 10 Minuten unterbrochen werden musste, weil Flo beiläufig erwähnte, dass man die Pfandbecher auch auf die Bühne werfen könne und sie den Pfand dann spenden würden (hab leider kein Video dazu gefunden, aber es sah gigantisch aus), und danach kam es dann zum absoluten Happaning … Die Monsters of Liedermaching und Götz Widmann spielten zusammen im Kleinkunstzelt als letztes Konzert des Abends eine Wahnsinnsshow. Danach kaufte ich mir die CD und sackte 4 von 6 Unterschriften der Monsters ein. *g*

Am Sonntag kam … die Sonne. Wir also zum Badesee. Super. Das wurde dannn erst vom allerletzten Konzert des Festivals von den mir zuvor unbekannten The Locos (Ex-Ska-P) getoppt. (Mando Diao kann man echt vergessen *gähn*). Traurigerweise regnete es dann am nächsten morgen wieder und wir mussten den verschlammten Zeltplatz bei dem es dieses Jahr keine größeren Freudenfeuer mehr gab, mit einem nassen Zelt verlassen. Aber schön war’s trotzdem.

Ostermarsch 2007

Es soll ja politische Menschen geben, die sich an Ostern auf die faule Haut legen und “nur” die Sonne genießen. Andere wie ich sind dagegen bereit sich körperlich für die Gute Sache zu verausgaben. Also war ich das erste mal bei der Fahrraddemo von Darmstadt zur zentralen Ostermarschkundgebung in Frankfurt auf dem Römer dabei. Also, ich war da schon als Kind, meine Eltern sind mit mir immer ab Neu-Isenburg zum Römer gelaufen (damals wurde noch gelaufen!) , nur von Darmstadt aus, das war was Neues für mich und auch die Aussicht ohne Semesterticket wieder mit dem Fahrrad zurück zu müssen war nicht sooo rosig. Aber was tut man nicht alles für den Frieden.

Ca. 60 Fahrradkilometer und ein hr1-Interview später – danke an mein gelbes T-Shirt gegen Studiengebühren – war ich völlig geschafft wieder zu Hause. Dann ging’s erstmal daran den Kleiderschrank (namens KIRKENES) aufzubauen, den ich am Ostersamstag bei einem schwedischen Möbeleinrichtungshaus in Nieder-Eschbach gekauft hab. Der steht jetzt auch und ich bin noch geschaffter als vorher. Bin auf den Muskelkater morgen gespannt.

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