Der Rassismus wird im Internet geboren

Der Rassismus wird im Internet geboren, meint zumindest unser Innenminister Hans-Peter Friedrich.

„Der Fall Özil zeigt nur die Spitze des Eisbergs. Die Verwahrlosung der Umgangsformen im Internet ist erschreckend.”

Quelle: Zeitung

Achja, und natürlich kann die Vorratsdatenspeicherung dies natürlich verhindern! Oder so ähnlich formulierte Friedrich es. Dann brauchen wir ja bald den Rassismus nicht mehr zu fürchten. Was nicht ganz zu dem von Friedrich bemühten Bild passt.

Scharf verurteilte Innenminister Friedrich auch die „Sieg, Sieg“-Rufe deutscher Fans ausgerechnet bei den EM-Spielen in der im Zweiten Weltkrieg von Deutschen besetzten Ukraine. Es mache ihn auch wütend, dass einige Zuschauer die verbotene Reichskriegsflagge gezeigt hätten. „Als deutscher Patriot schäme ich mich, wie diese Leute unser Ansehen in Europa und der Welt versuchen zu beschädigen“, sagte Friedrich.

Quelle: Zeitung

Aber vielleicht hätte man “diese Leute” ja auch mit der Vorratsdatenspeicherung dran gekriegt. Oh je, was haben wir da nur für einen um das Ansehen der Deutschen in der Welt besorgten Innenminister.

Communication Camp in HoffART-Theater

Fünf Studenten der Hochschule Darmstadt, an der ich ja auch gerade einen Lehrauftrag habe, organisieren gerade eine Veranstaltung für die ich gerne die Werbetrommel rühre.

Zusammen mit der PR Agentur Quäntchen + Glück organisieren die Studenten am 07. und 08. Juli 2012 ein Communication Camp, rund um das alteingesessene HoffART-Theater, das im Martinsviertel in der Vergangenheit ums Überleben kämpfen musste, obwohl es immer einen Besuch wert ist. Ziel ist es, kreative Köpfe aus der Kommunikationsbranche zusammmen zu bringen und den Online-Auftritt des Theaters zu verfeinern. Es soll programmiert, gewerkelt und designt werden. Und es sollen Fotos und Videos entstehen, die den Charme des kleinen Theaters einfangen und das Projekt dokumentieren.

LEider kann ich uralubsbedingt nicht selbst an dem Communication Camp teilnehmen. Aber vielleicht findet ja jemand diesen Artikel und will mithelfen.

Die Ukraine, die UEFA und die Menschenrechte

No sports, please! Das diese Einstellung jung hält, wusste schon Winston Churchill. Ähnliches scheint auch Joseph Blatter umzutreiben mit seiner Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften in eines der autokratischsten und demokratiefeindlichsten Länder der Welt nach Katar.

Die UEFA versuchte sich gegen die FIFA und auch aus einem eigenen europäischen Selbstverständnis immer ein wenig anders zu positionieren und UEFA-Präsident Lennart Johansson (1990-2007) und Michel Platini (seit 2007) haben sich meist gegen Blatter und sein System der Korruption gestellt. Und doch hat die UEFA jetzt ein Problem.

Als in der Ukraine die Orange Revolution 2004 den liberalen Wiktor Juschtschenko an die Macht brachte, schienen alle Institutionen Europas diese Demokratisierung unterstützen zu wollen. 2007 wurde die EM 2012 von der UEFA an die Ukraine und Polen vergeben (Italien und die Doppelbewerbung durch Ungarn und Kroation waren die Konkurrenten).

Kühne Vergabepraxis der EM durch die UEFA

Die kühne Vergabe der EM 2012 an Polen und die Ukraine durch die UEFA war ein leider wohl verfrühter Versuch, die Bevölkerung der Ukraine noch stärker an Mitteleuropa zu binden. Das kann und will ich der UEFA und Michel Platini nicht vorhalten. Und da sie heute nunmal beginnt, die EURO 2012, wollte ich meine Gedanken doch nochmal loswerden – und dieses wunderschöne Zeitdokument der WM 1978 in Argentinien hervorkramen.

Dort wurde 1976 durch den Militärapparat die Regierung geputscht (mit moralischer Unterstützung der USA). Heute geht man von 30.000 Todesopfern aus, die in der Zeit verschleppt, gefoltert oder im Kampf gegen die Guerilla gestorben sind. Einen Boykott hat es damals nicht gegeben.

Wahlrecht-Vergleich in der Zeit

Zusammen mit den großartigen Machern der Seite wahlrecht.de hat die Zeit mal das Experiment gewagt und das Bundestagswahlergebnis von 2009 in andere Wahlrechte übertragen. Anlass ist die Reform das bundesdeutschen Wahlrechts, dass ja verfassungswidrig war (und wahrscheinlich nach der Neuregelung immernoch ist). Deshalb werden auch das neue Wahlrecht und die Vorschläge der einzelnen Oppositionsparteien miterrechnet.

Andere Länder, andere Wahlsysteme

Natürlich ist Großbritannien mit ihrem “First-Past-the-Post“-Mehrheitswahlrecht bitter. Auch wenn es in deren regional stark fragmentierten Gesellschaft mehr Sinn macht.
Spannend finde ich aber insbesondere auch die Darstellung der Wahlsysteme, die man nicht so häufig zu sehen bekommt. So bekommt man z.B. in Griechenland als stärkste Fraktion 50 Zusatzmandate, was ich bis zur letzten Wahl dort gar nicht wusste. Oder: In Italien gruppieren sich jeweils zur Wahl Rechts- und Linksbündnisse und ich fragte mich schon immer, warum eigentlich. Jetzt weiß ich es. Das Wahlbündnis mit den meisten Stimmen erhält automatisch 54% der Mandate im Parlament. Verrückt. Aber natürlich nur in unseren Ohren.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie entsetzt mich eine Österreicherin (hallo Christina) während meiner Eramsuszeit fragte, wer denn in Deutschland entscheidet, wer Bundeskanzler ist, wenn das nicht der Bundespräsident macht. 😉