Dennis Scheck über Günter Grass’ Was gesagt werden muss

Dennis Scheck, der Macher des ARD-Literaturmagazins druckfrisch, hat die Worte gefunden, die ich nicht gefunden habe über Günter Grass, sein Gedicht Was gesagt werden muss und den Aufschrei in der nationalen Medienlandschaft.

In seiner letzten Ausgabe der druckfrisch-Sendung kommentierte Scheck wie folgt:

Dem deutschen Dichter Durs Grünbein fiel in all seiner Sprachgewalt ein subtiles “Weg du, Günter Grass!” ein. Und von Henryk M. Broder konnte man lernen: “Antisemiten suchen die Nähe der Juden, fühlen sich ihnen verbunden – etwa so, wie Kannibalen von Frischfleisch angezogen werden.” Auf diese Weise lässt sich jeder als Antisemit denunzieren. Das ist die Logik von George Orwells “Animal Farm”. (…)

Literaturkritisch ist in dieser Debatte um ein Gedicht jedoch etwas passiert, was nicht unwidersprochen bleiben darf: Statt für die Freiheit des Wortes Partei zu nehmen, hat die deutsche Literaturkritik auf Staatsräson gepocht. (…)

Keinem Abiturienten hätte man solche grotesken Unterstellungen, böswilligen Fehlurteile und absurden Konjekturen durchgehen lassen wie die, die über Grass’ Gedicht in vielen Medien verbreitet wurden.

Ich will hier nicht auf Ikonen-Schutz pochen – im Gegenteil habe ich Grass bei vielen Gelegenheiten kritisiert – der Spiegel schrieb mal über ihn zurecht, niemand sei vor seiner Solidarität sicher. Aber: politisch engagierte Literatur ist eben politisch.