HowTo: Facebook Gesichtserkennung ausschalten und schon erhobene Daten löschen

Am 1. Juli kündigte Facebook eine neue Gesichtserkennung in ihrem Netzwerk an, das mittlerweile auch gestartet ist. Das ist natürlich ein katastrophales Feature, denn automatische Gesichtserkennung ist für mich der zivilisatorische Horror. Am Ende kann das jede Baumarkt-Videoüberwachungskamera, wenn sie auf eine Datenbank zurückgreifen kann, in der alle Profile zu finden sind. Schon beim neuen Personalausweis war für mich das Passbild in digitaler Form das schlimmste Feature. Dazu passt auch, dass Facebook das Feature auch außerhalb der USA ganz einfach anschaltete, ohne ihre Nutzer zu informieren – nicht etwa aus Versehen, sondern weil der Nutzer selbst dran schuld ist.

Mittlerweile interessiert sich auch die EU für die Facebook Gesichtserkennung – aus Datenschutzgründen. Bis die bürokratischen Mühlen voranschreiten, sollte man aber nicht warten. Stattdessen kann man mit zwei Aktionen die automatische Gesichtserkennung ausschalten und bereits gesammelte Daten löschen lassen. Das wäre auch absolut meine Empfehlung.

Autmatische Gesichterkennung ausschalten

Zunächst geht man die Privacy-Einstellungen von Facebook, das könnte ihr auch über diesen Link hier tun. Ihr findet die Einstellungen auch im Dropdown-Menü “Konto” unter “Privatsphäre-Einstellungen”. Dort klickt man dann unten auf den Link “Benutzerdefiniert” und gelangt auf eine Übersicht bei dem es im Bereich “Dinge, die andere Personen teilen” weitergeht (siehe unten). Unter dem Punkt “Freunden Fotos von mir vorschlagen” auf “Einstellungen bearbeiten” klicken und schon ist man da.

Das manuelle Markieren in Fotos durch Freunde kann man übrigens verhindern, indem man beim Punkt “Fotos und Videos, in denen du markiert wurdest” angibt, dass man diese nur selber ansehen kann.

Schon gesammelte Daten löschen lassen

Um die automatische Gesichtserkennung durchzuführen hat Facebook natürlich schon in den vergangenen Wochen und Monaten eine ganze Menge Daten gesammelt, die man so eigentlich auch nicht dort liegen lassen will. Diese Daten löscht Facebook natürlich nicht einfach so, sondern man muss Facebook extra zur Löschung auffordern. Allerdings kann man ja schon froh sein, dass es überhaupt einen Workflow dafür gibt – ist ja bei Facebook nicht immer einer Selbstverständlichkeit.

Wenn man unter “Freunden Fotos von mir vorschlagen” dann auf “Einstellungen bearbeiten” geklickt hat (siehe oben), gibt es dort einen kleinen Link auf dem “Erfahre mehr” steht und mit dem man in die Facebook Hilfe-Seiten gelangt. Dort steht ganz unten die Frage “Wie kann ich die Zusammenfassung der über mich für Markierungsvorschläge gespeicherten Informationen löschen”. Hier findet sich ein Link zum Kontaktformular, welches automatisch den Text unten an das Fototeam erstellt und man muss nur noch auf “OK” klicken.

Sehr prompt darauf erhält man dann eine Email von Facebook mit folgendem Inhalt:

Ich hab beides gleich gemacht und hoffe, dass sich viele Facebook-Nutzer damit anschließen.

(via: fbwatchblog.de und sahanya.de)

Wie die hessische Regierung die Steuerhinterziehung fördert

Eine halbstündige Doku über den ungeheuerlichen Vorgang, der die hessische Regierung als mafiöse Struktur erscheinen lässt: vier Steuerfander werden zwangsfrühpensioniert, weil sie einer riesigen Steuerhinterziehung in den allergrößten Banken der Republik auf die Spur gekommen sind. Roland Koch war damals Ministerpräsident und der aktuelle Ministerpräsident war Innenminister und damals somit oberster Chef des Steuerfahnder.


Bleibt die Frage offen: Warum macht die Doku der WDR und nicht der HR? Mal wieder ein HR-Fail. Der Hessische Rundfunk bleibt das zweitschlechteste dritte Programm.

Peinlich, peinlicher, Schwarz-Gelb

Im Juli 2008 richtete das Bundesverfassungsgericht (BVerfG), dass das bundesdeutsche Wahlrecht nicht verfassungsgemäß ist. Grund ist das Prinzip des “Negativen Stimmengewichts”, das den Grundsatz der gleichen Wahl (jede Stimme hat das gleiche Gewicht) aushebelt. Bis zum 30. Juni 2011 (also 3 Jahre später) läuft die Frist zur Neugestaltung des Bundeswahlgesetzes aus, die das BVerfG gesetzt hat.

Wie das negative Stimmengewicht funktioniert ist nicht ganz so einfach zu erklären. Aber ich versuch’s mal: Grundsätzlich kommen die Verschiebungen durch die Mischung von bundesweiten Stimmen und Landeslisten zustande. Bei der Auszählung werden die Sitze zuerst an die Parteien, dann an die Bundesländer vergeben. Rechnerisch kommt es bei Überhangmandaten (die entsehen, wenn mehr Direktmandate gewonnen wurden als eigentlich Mandate nach dem Anteil der Zweitstimmen zustehen würden) häufig zu der Situation, dass in einem anderen Bundesland dafür ein Listenkandidat nachrückt, der nicht von der selben Partei A ist wie das Überhangmandat. Im Umkehrschluss bedeutet dies, wenn das Überhandmandat nicht entstanden wäre, hätte die Partei A proportional mehr Mandate bekommen.

Mittlerweile liegen Vorschläge von SPD, Grünen und den Linken zum neuen Wahlrecht und zur Diskussion vor. Aber die Koalition hat bis heute (Stand: 1. Juni) keinen Vorschlag öffentlich gemacht. Im Gegenteil, als Beispiel wie peinlich das für die Koalition ist, hier ein Redebeitrag von Dr. Günter Krings (CDU/CSU) am 26.05.2011 im Deutschen Bundestag.

Man beachte, dass der Vorschlag, den Dr. Krings andeutet, von Experten für wie folgt eingeschätzt wird:

Der Vorschlag erreicht das schon sehr bescheidene Ziel der Beseitigung des negativen Stimmgewichts nicht, sondern baut einen zusätzlichen Mechanismus für deren Entstehung ein. Überhangmandate bleiben erhalten und die etwas andere Rundungsreihenfolge beeinträchtigt die Erfolgswertgleichheit zusätzlich durch eine zufällige Komponente. Im Prinzip wurde für den Vorschlag nur an der Rundung gespielt. Das hilft nicht. Genauso wenig hülfe es, nur die Listenverbindung abzuschaffen (auch wenn es das Bundesverfassungsgericht im Urteil andeutet). Ohne einen Eingriff in das Wahlsystem, der zumindest einige Überhangmandate beseitigt, kann negatives Stimmgewicht nicht verhindert werden.

Und Fefe dramatisiert etwas, wenn er schreibt:

Wenn sie das nicht tun [die verfassungsgemäße Neugestaltung des Wahlrechts], dann wäre die nächste Wahl anfechtbar, und es gäbe keinen Bundestag, und damit auch niemanden, der ein neues Wahlgesetz erlassen könnte. Also könnte man dann auch keine Neuwahlen machen, um die Situation zu retten.