Blogroll Update

So, ein kleines Blogroll Update. Der leider inaktive Herr Müller fliegt genauso raus, wie die immernoch großartige Lostpedia.

Hinzu kommt ein linguistischer Fachblog jenseits alles Sick’schen Albernheiten, immer fundiert, immer auf hohem fachlichen Niveau und immer verständlich: Der Bremer Sprachblog von Anatol Stefanowitsch.

Und ein ganz neuer Blog, welches sich kreativ mit Sprachspielen auseinandersetzt. Kampfkoloss.com und das Object Writing.

Kuriositäten im Verfahren gegen die “militante gruppe”

Ich habe ja schon über spektakulär kuriose Ermittlung der Verdächtigen im Fall der militanten gruppe berichtet. Ok, ist schon etwas länger her. Im August 2007 wurden gegen vier Verdächtige Haftbefehl erlassen, unter anderem weil das BKA via Google Schriftstücke fand, in denen einige Worte vorkamen, die auch in den Texten der militanten gruppe Erwähnung fanden, die seit geraumer Zeit hin und wieder Autos in Berlin und Umgebung brennen ließen.

Mittlerweile läuft das Verfahren, dass sich laut Augenzeugenbericht der Annalistin Anne Roth ähnlich kurios liest. Absolute Leseempfehlung!

Und wem das alles komisch vorkommt, kann sich auch gleich mal informieren, was der Blog-Anwalt der Nation Udo Vetter dazu sagt, dass bei diesem Verfahren die Besucher – die “im Namen des Volkes” das Verfahren ja kontrollieren sollen – selbst wie Verbrecher behandelt werden und sich dem Risiko aussetzen selbst in die staatliche Geratewohl-Fahndung zu geraten. Vielleicht hat der ein oder andere ja auch schon mal die Wörter “Gentrification”, “Prekarisierung” oder “Reproduktion” öffentlich – von Google einsehbar – verwendet.

Worte des Jahres

Die Gesellschaft für deutsche Sprache – bei der ich ja auch schon gearbeitet habe – hat entschieden. Die Top10 der Worte des Jahres 2009:
1. Finanzkrise
2. verzockt
3. Datenklau
4. hessische Verhältnisse
5. Umweltzone
6. multipolare Welt
7. Nacktscanner
8. Rettungsschirm
9. Bildungsfrühling
10. Yes, we can

Als Wort des Jahres wurde Finanzkrise gewählt. Dieser Ausdruck war seit Anfang des Jahres in der öffentlichen Diskussion präsent; er kennzeichnet zusammengefasst die dramatische Entwicklung im Banken-, Immobilien- und Finanzsektor und bezieht „Immobilien-“, „Kredit-“, „Liquiditäts-“ und „Wirtschaftskrise“ ein.

Demselben Zusammenhang entstammt der Ausdruck auf Rang 2: verzockt. Dieses Wort hat seinen Bedeutungsbereich erweitert und wurde immer wieder kritisch auf das Vorgehen der Bankmanager bezogen, die hoch riskante und spekulative Geldgeschäfte betrieben haben (darum die Wahl der Perfektform „verzockt“ anstatt des Infinitivs „verzocken“).

Datenklau (Rang 3) bezieht sich auf die illegale Nutzung und Weitergabe elektronisch gespeicherter Personendaten. In den vergangenen Monaten waren mehrere „Datenpannen“ zu verzeichnen.

Auf Rang 4 steht mit hessische Verhältnisse eine Wendung, die die aktuelle innen- und parteipolitische Lage in Hessen betrifft: Der bisherige Ministerpräsident bleibt geschäftsführend im Amt, während die Opposition mit dem Versuch, eine rot-grüne Landesregierung bei Tolerierung durch die Linkspartei zu bilden, scheitert.

Umweltzone (Rang 5): Dies ist ein in manchen Städten eingerichteter Bereich der Innenstadt, den man mit seinem Auto nur befahren darf, wenn es bestimmten Abgas- und Feinstaubwerten genügt.

Der Ausdruck multipolare Welt (Rang 6) drückt die Entwicklung der internationalen Kräfteverhältnisse aus. Es dominieren nicht mehr nur eine oder zwei Supermächte, sondern es gibt heute mehrere Zentren, das heißt mehrere (eigentlich „viele“) Pole.

Auf Rang 7 wurde Nacktscanner gewählt; das Wort drückt die Entrüstung über die von der EU geplante Einführung einer neuen Technik zur Überprüfung der Passagiere an Flughäfen aus.

Rettungsschirm (Rang 8) ist wie „Rettungspaket“ die bildhafte Bezeichnung der staatlichen Finanzhilfen für in der Krise befindliche Banken und Unternehmen.

Bildungsfrühling (Rang 9) beschreibt die Hoffnung, dass angekündigte Initiativen von Bund und Ländern für die finanziell und personell schlecht ausgestatteten Bildungseinrichtungen spürbare Verbesserungen bringen.

Den Abschluss der Spitzengruppe der von der GfdS ausgewählten Wörter des Jahres bildet auf Rang 10 der aus dem US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf bekannte Slogan Yes, we can, der auch hierzulande oft aufgegriffen und variiert worden ist.

Klar, dass die Österreicher ne Sonderwurst brauchen. 😉