Der letzte Rebell macht das Radio aus

Der Radiosender hr3 will sich von den sperrigen und großartigen Radioformaten von Klaus Walter und Volker Rebell trennen. Mit der Begründung, dass der hr3 sein Programm mehr fokussieren auf die Mitte und den Mainstream und rund um die Uhr durchhörbar gestalten muss. Der Ball ist rund und Rebell passen nicht mehr zu hr3. Eine schwer nachvollziehbar Entscheidung, denn das sind genau die beiden Formate, die ich bei dem Sender noch höre.

Dass sich eine solch eigenwillige und sperrige Sendung, die allwöchentlich gegen die ansonsten verbindliche Formatierung ‚rebellieren’ durfte, so lange im Formatradio hr3 halten konnte, ist ein kleines Wunder. Vergleichbares dürfte in der deutschen Format-Radiolandschaft kaum zu finden sein. (Volker Rebell)

Andererseit: Ich frage mich für was ich (neben Online-Mediatheken und Bundesliga-Übertragungsrechten) ich dem hr GEZ zugestehen sollte. Nachdem mit Latelounge das einzig brauchbare Fernsehformat gestrichen wurde, ist nun auch hr3 zu jeder Zeit unhörbar. Ich werde wohl auf hr-info ausweichen müssen – auch wenn das in meinem in Darmstadt ganz schön rauscht.

Unter www.derballistrund.org hat sich derweil Widerstand formiert, den ich hiermit auffordere zu unterstützen. Danke!

Quellen:
Quotenmeter
Frankfurter Rundschau
Intro

Ceterum censeo … 9. November zum Nationalfeiertag

… der natürliche Nationalfeiertag Deutschlands ist der 9. November. An keinem Tag des Jahres haben sich in unserer Geschichte mehr wichtige Ereignisse abgespielt: Von der Erschießung des Revolutionärs Robert Blum 1848 über die Ausrufung der Republik 1918, den gescheiterten Hitler-Putsch 1923 und die berüchtigte „Reichskristallnacht“ 1938 bis hin zum Selbstmord des RAF-Gefangenen Holger Meins durch Hungerstreik 1974 – und natürlich dem Fall der Mauer 1989. Nicht umsonst gilt der 9. November als der „Schicksalstag der Deutschen“, an dem ganz natürlich der Ereignisse der Vergangenheit gedacht wird.

Debatte in Die Welt
Debatte bei Der Spiegel
Debatte in der Frankfurter Rundschau
Meinung vom Staatsoberhaupt in spe
Blog-Beiträge von der FR und Peter

Erste Hessen-Umfrage nach SPD-Debakel

Da werde ich wohl am 18. Januar zur Neuwahl wieder in mein Wahllokal in die ehemalige Kyritzschule in Darmstadt pilgern. Und das wird für mich genauso frustrierend sein, wie für die meisten anderen, die sich auf einen Machtwechsel in Hessen mit Ypsilanti als Ministerpräsidentin gefreut hatten. Hoffentlich gehen sie trotzdem zur Wahl. Die erste Umfrage nach dem Debakel jedenfalls ist nicht so negativ wie sie erwartet worden war.

Institut Datum CDU SPD GRÜNE FDP LINKE Sonstige
Infratest
dimap
06.11.2008 41 % 27 % 12 % 11 % 5 % 4 %
Infratest
dimap
04.09.2008 39 % 28 % 11 % 12 % 7 % 3 %
Landtagswahl 27.01.2008 36,8 % 36,7 % 7,5 % 9,4 % 5,1 % 4,4 %

Ein Abfall von 1% nach dem Debakel ist für die Hessen-SPD jetzt nicht gerade erdrutschartig. Viel größer fällt einem der Abschwung der Linkspartei ins Auge, für die es wohl tatsächlich wieder eng werden könnte. Dabei sind sie die einzige Hoffnung den bürgerlichen Parteien noch eine Mehrheit abzuluchsen. Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt – ich hoffe ja immer noch auf Ypsilanti als Ministerpräsidentenkandidatin, auch wenn sicherlich Gerhard Grandke nochmal gefragt werden wird.

Nachtrag zu den drei SPD-Verrätern

Einen recht kurzen, aber informativen Artikel hat die Süddeutsche unter der Überschrift “Anmaßung und Opferrhetorik” zum Thema geschrieben. Ich zitiere:

Wer von ihnen [den SPD-Abtrünnigen] ist anders als die anderen? Die Antwort ist einfach: Jürgen Walter, und dies nicht, weil er männlichen Geschlechts ist. In seiner Begründung hat Walter angegeben: Ein Bündnis mit der Linken schade “der SPD und Hessen”, weil es “zehntausende von Arbeitsplätzen” vernichten werde […] was ihm in seiner künftigen Karriere, zumal wenn sie sich jenseits der SPD abspielt, bestimmt nicht zum Schaden gereichen wird.Die drei übrigen Abweichler – Dagmar Metzger, Silke Tesch und Carmen Everts – haben am Dienstag vor allem politische Gründe dafür genannt.

Als über den geplanten Koalitionsvertrag abgestimmt wurde, beteuerte die Parteirechte Silke Tesch, sie wolle in Hessen keinen “Simonis-Effekt”. Und als der SPD-Unterbezirk Groß-Gerau am 28. Oktober über einen Antrag debattierte, mit dem die Vorsitzende Carmen Everts darauf verpflichtet werden sollte, für die geplante Regierung zu stimmen, tat sie indigniert: “Ich will den Regierungswechsel, da braucht es keine Aufforderung”, wurde sie zitiert.
[…]
In ihrer emotionalen, bekenntnishaften Rhetorik stehen die drei Frauen einander indes nicht nach. “Die Situation hat mich zunehmend psychisch und physisch stark belastet”, klagte Silke Tesch; “ich bin nicht jemand, der verdeckt agiert und andere ins offene Messer laufen lässt”, erklärte sie, um zu begründen, warum sie Andrea Ypsilanti einen einzigen Tag vor der Abstimmung ins offene Messer hat laufen lassen. “Ich habe einen unvorstellbaren Druck erlebt”, beschwerte sich Carmen Everts. Und Dagmar Metzger bekannte sich zu ihrer erschütterten Begeisterung von sich selbst: “Niemand weiß besser als ich, wieviel Mut hierzu gehört.” Wieso weiß das niemand besser als Dagmar Metzger? Und von welcher Art Mut redet sie eigentlich, da der ihre doch von der politisch einflussreichen Familie konservativer Sozialdemokraten, in die sie eingeheiratet hat, sehr – sagen wir – beflügelt wurde?

Die Rhetorik der drei Damen ähnelt auf fatale Weise derjenigen ehemaliger DDR-Bürgerrechtler: Anders als viele DDR-Bürgerrechtler waren die SPD-Frauen nicht Opfer eines großen Apparates. Aber sie gerieren sich als solche. Das ist kein Zufall, denn alle drei sind gegen die Linkspartei. Und jetzt benehmen sie sich, als wären sie schon deren Opfer. Sie reden, als wären sie Bürgerrechtler.
[…]
Noch bevor Dagmar Metzger sich im März der Idee verweigerte, eine rot-grüne Regierung von der Linkspartei tolerieren zu lassen, hatte ihr Schwiegervater, Günther Metzger, im Darmstädter Echo einen Auftritt. Er soll gesagt haben, dass der sozialdemokratische Vater der geborenen Dagmar Feist 1945/46 “unter Lebensgefahr den Zwangszusammenschluss von KPD und SPD zur SED” abgelehnt habe. Dagmar Metzger sagt ähnliches. Warum Lebensgefahr, welcher Herr Feist? Eine Recherche in den Archiven der SPD und bei einschlägig bewanderten Historikern wie Manfred Rexin, Andreas Malycha und Horst-Peter Schulz ergab: Nichts.

Neues zur Nordostumgebung

Am Sonntag habe ich als Watzeviertler bei der Gelegenheit des Fußballspiels von Darmstadt 98 gegen die Amateure der Frankfurter Eintracht gleich mal für ein Bürgerbegehren um die Darmstädter Nordostumgehung mitunterschieben. Man sagte mir dort, dass noch ca. 2.000 Unterschriften fehlen würden.
Nun lese ich erfreulicherweise heute auf der Webseite der Bürgerinitiative in einer etwas kruden Laufschrift:

uns fehlen jetzt (Stand: Dienstag, 4.11.08, 23 Uhr) noch insgesamt ==> 654 Unterschriften !!!

Hoffentlich schaffen die Jungs und Mädels das bis zum 10.11.! Solidarische Grüße aus der Mollerstraße!

Güllner auf Ego-Trip

Ich finde es etwas bedenklich wenn der Chef eines Wahlumfrageinstitut – in diesem Fall mal wieder Forsa – seinen kleinen politischen Privatkrieg mit einer Partei – in diesem Fall der SPD – führt. Schröder-Intimus Manfred Güllner erklärt die Welt oder so ähnlich heißt wohl die Überschrift von Stern. Und weil man ja einen Web-Krieg führt ist der Ego-Trip des Herrn Güllner dann auch noch in ein Video gebannt worden.

Interessant ist Güllner vor allem auch deshalb, weil er bzw. sein Institut seit dem Abgang von Gerhard Schröder die SPD immer deutlich schlechter bewertet als alle (!) andereren Umfrageinstitute. Da liegt der Verdacht schon sehr nahe, dass da jemand mit seiner (begrenzten) Macht gerne Politik machen würde.