Finale, oho! Finale, oho!

Komisches Turnier. Komisches Ding, dass heute ernsthaft Deutschland im Finale steht. Weniger komisch, dass nicht nur ich dieses Gefühl habe. Auch Stefan vom Blog-G geht es so:

Ich gestehe: Ich verstehe dieses Turnier nicht. Ich verstehe die Deutsche Nationalmannschaft nicht. Ich verstehe nicht, wie eine Mannschaft die praktisch ohne Defensive spielt bis ins Finale kommen kann. Ich verstehe nicht, wie ein Metzelder ohne Zweikampf in einer Mannschaft spielt, die ins Finale kommt. Ich verstehe nicht, wie eine Mannschaft die dermaßen rumpelt wie es die unsere tut fast alle ihre Tore aus dem Spiel heraus auf eine Art und Weise erzielt, wie sie im Lehrbuch des modernen Fußballs notiert sein könnte, um gleich darauf Fehler zu begehen wie man sie sonst nur in der Kreisklasse zu sehen bekommt. Und damit auch noch erfolgreich ist. Ich verstehe es nicht. Kann mir jemand diesen Sport erklären?

Wie soll man da ein Endspiel gegen einen Gegner wie Spanien tippen, einen Gegner, der bisher so gut wie keine Schwächen offenbart hat? Würde nicht Deutschland auf dem Platz stehen fiele mir eine Prognose leichter. Gäbe es einen Fußballgott, stünde das Ergebnis fest.

Es gibt ihn nicht und ich weiß es einfach nicht.

Das Fahnenmenetekel

Die F.A.Z. hat heute mal wieder den Vogel abgeschossen, während das ganze Land im zweifelhaften deutsch-türkischen Fahrenmeer versinkt, kommentiert man – gewohnt tendenziös und ungewohnt apokalyptisch – den Untergang des Abendlandes herbei.

Fußballer können, wie gesehen, sogar noch schöne Tore schießen, wenn in ihrer Brust zwei Herzen schlagen. Ein Staat aber, der in seinem Inneren sich verfestigende Parallelgesellschaften toleriert, geht schweren Zeiten entgegen. Der türkische Fahnenwald in Deutschland ist – bei allem Respekt vor den patriotischen Empfindungen derjenigen, die rotweiß flaggen – ein Menetekel für diese Republik. Der Türkei freilich kann man zu solchen Bürgern nur gratulieren.

Soweit das Fazit des FAZ-Redakteurs Berthold Kohler in diesem schon im Titel “Unsere Türken” polemisierenden Kommentar. Der Artikel stieß nicht nur mir böse auf. Auch der Spiegel hat ihn entdeckt und echauffiert sich:

… am Ende aber erscheint “der türkische Fahnenwald” doch wieder nur als “ein Menetekel für diese Republik”, als unheilschwangeres Zeichen also.

Warum eigentlich? Gilt das auch für italienische, spanische oder französische Fahnenwälder? Es ist genau diese Sprache der Angstmacherei, die irrationale Reaktionen und Gefühle fördert und politisch in die Irre führt. Denn gerade das schwarzrotgoldene “Sommermärchen” von 2006 hat gezeigt, dass Heiterkeit und Selbstbewusstsein keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bedingen.

Der viel beschworene neue deutsche Patriotismus ist daher das komplette Gegenteil eines ängstlichen, verdruckst-aggressiven Nationalchauvinismus, der sich ständig von fremden Mächten umzingelt fühlt. Die fröhliche Selbstverständlichkeit, mit der landauf landab die Deutschlandfähnchen flattern, wird genauso von den türkischstämmigen Bürgern in Anspruch genommen, die ihren rot unterlegten Halbmond ans Taxi oder aus dem Fenster hängen.

Anmerken möchte ich noch: Eine Fahne reicht, wenn schon eine zweite, dann doch bitte von einem anderen Land. Nationalbewusstsein hin oder her, von den letzten vier Mannschaften im Turnier hat wohl keine so bürokratisch gespielt wie die Deutschen. Nach dem fast peinlichen Spiel gegen das harmlose Österreich (Fifa-Ranglisten-Platz 115) haben sie hier in Darmstadt wie die Verrückten gefeiert. Da kann eigentlich keiner dabei gewesen sein, der den Fußballsport liebt. Auftritte wie von holländischen, spanischen oder eben russischen Mannschaften wird es wohl für Fans der deutschen Nationalmannschaft nicht zu bewundern geben.

P.S.: Auch wenn ich als Vereinsfußballliebhaber dien Fußball der Nationalmannschaft ziemlich entspannt sehe, war ich nach dem Viertelfuinale mit 5.000 Fans im Darmstädter City-Tunnel. Ich kann euch sagen – der Nazi-Anteil war trotz Klose, Neuville, Podolski, Trochowski, Odonkor und Co. doch sehr hoch. Womit wir den Bogen zum FAZ-Kommentar wieder gespannt hätten.

Hessen wirbt Lehrer

So also einen hab ich noch zum Thema Bildungssystem in Hessen und Online Werbung. Da hab ich nämlich vor einigen Wochen einen Artikel über das Prüfungschaos in NRW beim Zentralabi gelesen und was seh ich?

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Werbung des Hessischen Bildungsministeriums für Lehrer in Hessen.

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Mmh, wer hat da nicht genug Lehrämtler ausgebildet? Sind das vielleicht schon die ersten Vorzeichen der Studiengebühren. Das Bildungsland Hessen muss sich also Fachkräfte aus dem deutschen Ausland einkaufen, weil man sich die jungen Talente vergrault. Prima.

Bild-freundliche Zensur bei Antenne Bayern (2)

Anders als bei Bildblog blieb zwar meine höfliche Anfrage bei Antenne Bayern unbeantwortet. Aber gut zu wissen, dass es also verschieden Versionen des Songs gibt, die bei diesem Radio laufen, quasi um die Pausen zwischen der Werbung zu füllen.

Ob die bildgefällige Zensur nicht doch im Mittelpunkt stand/steht, bliebt im Auge des Betrachters. Jedenfalls haben sich sowohl die Ärzte selbst beim Konzert in Homberg Effze als auch das Management (siehe Bildblog) dazu geäußert.

Die Entfernung dieser Kernzeilen des Textes sieht die Band als eine Sinn entstellende Verstümmelung des Songs an.