Stromausfall im Kopf

Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender der RWE, behauptete letzte Woche in der Bild „[Es] drohen im europäischen Netz mehrtägige Stromausfälle schon in diesem Jahr, die auch Deutschland hart treffen können.“

Die Gelegenheit war günstig: Frontal21 hatte berichtet, dass die Stromnetze schlecht gewartet werden (Fußnote: weil die Stromkonzerne so die dezentrale Windenergie behindern können) und in Süd-USA der Strom ausfiel. Stromausfälle wegen zu weniger Großkraftwerke also in Deutschland? Mitnichten. Frontal21 ließ das nicht auf sich sitzen (Mediathek):

O-Ton Prof. Uwe Leprich, Hochschule für Technik des Saarlandes: “Also in Deutschland selber haben wir genügend Kraftwerke, was man auch daran sieht, dass seit einigen Jahren der Stromexportüberschuss in andere Länder ansteigt. Das heißt, wir haben sogar mehr Strom als wir selber in Deutschland benötigen. Da gibt es in Deutschland selber keine Stromlücke.”
Und das, obwohl in den vergangenen Jahren mehrere Kernkraftwerke vom Netz gingen. Das AKW Stade wurde 2003 stillgelegt, das Kernkraftwerk Obrigheim 2005. Die Atomblöcke Biblis A und B fielen 2006 aus – wegen eines technischen Defekts, 14 Monate lang. Im Sommer 2007 kam es zu Störungen in dem Kernkraftwerk Krümmel, und dann auch noch in Brunsbüttel – beide liefern bis
heute keinen Strom.
Kernkraftwerke stehen still – und keine Folgen. Im Gegenteil. Normalerweise sorgt Überproduktion für sinkende Preise. Das
verhindern die Konzerne lieber, exportieren Strom in großen Mengen.