Kosovo morgen unabhängig?

Das ist ja mal wieder eine Entwicklung … gestern eine Pressekonferenz – das Wort Unabhängigkeit mag nicht fallen, wohl aber ein Datum, das dafür wiederholt, der 17. Februar. Morgen ist es dann also soweit, mit aller Wahrscheinlichkeit erklärt sich das Kosovo unabhängig. Ein Schritt der verbunden wird mit höchst unglaubwürdigen Beteuerungen die serbische Minderheit, die bisher das Gebiet noch nicht verlassen hat zu schützen und der Aufforderung an die, die das Land verlassen haben, doch zurück zu kommen.

Das muss für die Kosovo-Serben vorsichtig ausgedrückt sehr zynisch klingen. Zumindest, wenn sie es überhaupt verstanden, denn die Pressekonferenzen der aktuellen Regionalregierung gestern und heute fanden natürlich alle auf albanisch statt, Übersetzung für die Journalisten ins Englische inklusive. Bitter.

Und Europa schaut zu und man fragt sich, wer wird den Staat als erstes Anerkennen. Die Deutschen haben da ja ganz gute Erfahrungen drin durch derlei Unbedachtsamkeiten Kriege auf dem Balkan mitanzufachen. Man gibt sich zurückhaltend, ebenso Frankreich und vor allem Spanien (wegen Wahlen im März und Basken/Katalanen), Russland erst recht. Dabei haben sie alle mitgewirkt und zugeschaut, wie sich der serbische Teil des Kosovo entvölkert. Die Attraktivität der EU für den erst vor wenigen Tagen wiedergewählten pro-europäischen Ministerpräsidenten Serbien nimmt dadurch nicht wirklich zu.

Die Probleme in Serbien werden wieder größer werden. Für die europäische Staatengemeinschaft steht einiges auf dem Spiel. Sie haben über Jahrzehnte mitgeholfen einen ständigen Unruheherd in der Mitte Europas zu schaffen und sind immernoch dabei.

Studienabbrecherrate nimmt zu

Jochen Mai stellt in seinem Blog Karriere-Bibel die erschreckenden Zahlen des Studentendaseins zusammen, die aus dem Bericht der HIS hervor gehen, der morgen veröffentlicht wird. Absolut lesenswert.

# Deutsche Studierende haben im Schnitt heute eine 41-Stunden-Woche. Davon wenden sie 34 Stunden für das Studium auf – und 7 Stunden für einen Nebenjob.
# Für 40 Prozent der Studenten ist ihre Studienfinanzierung nicht gesichert.

Besonders betroffen von der daraus resultierenden steigenden Abbrecherquote sind die Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik. Nur die Geisteswissenschaften konnten die Abbrecherquoten senken (allerdings weiß ich aus persönlicher Erfahrung, mit welch selektiven Methoden dies geschafft wurde).

Verwackelt im Kleefeld (2?)

Am Dienstag habe auch ich es endlich geschafft mir den Katastrophen/Godzilla-Film des großartigen J.J.Abrams Cloverfield anzuschauen. Ich hab hier ja schon drei mal Werbung für den Film gemacht, allein die gute (virale) Marketing-Kampagne hat es schon verdient, sich den Film mal anzuschauen. Wie man aus den Trailer schon erkennen konnte, ist der Film konsquent mit Handheld-Kamera – im Blair Witch Project-Stil – umgesetzt und setzt dabei auf die ganz subjektiven Eindrücke einer Katastrophe in New York, deren Bilder doch manchmal ganz schön arge Assoziationen bei mir verursachten.

Im Prinzip ist der Film eine konsequente Weiterentwicklung des Sujets des oft unterschätzten Krieg der Welten-Remakes mit Tom Cruise von 2005. Die Geschichte einer Katastrophe aus dem Blickwinkel eine Person. Und der technische Fortschritt macht eben heute ein Szenario wahrscheinlich, dass Menschen direkt am Ort der Katastrophe mit Videokameras oder eben auch Handys filmen, was passiert. Diese Geschichte erzählt Matt Reeves, der Regisseur, und mir macht das Gewackel dann immer nach 20 Minuten Bauchschmerzen, obwohl der Film toll war. Authetisch. Real. Und übrigens auch fatal.

Für mich überraschenderweise gab es dann – also eigentlich sogar noch vor Bundesstart – die Ankündigung eines zweiten Cloverfield Teils. Dieses Cloverfield 2 kann natürlich so einiges kaputt machen (siehe Matrix), aber im IMDB-Forum schwirren schon wieder so einige tolle Gedanken herum, z.B. könnte man die Katastrophe aus der Sicht eines Zivilisten, eines Wissenschaftlers und eines Militärs zeigen. Das würde wohl die Authentizität zerstören, wenn man beim Handheld-Konzept bliebe. Ich lass mich überraschen, der Film soll ja dann schon nächstes Jahr in die Kinos kommen.

EDIT: Eine Super-Rezension gibt es bei endoflevelboss, der auch auf Singer/Songwriter Conor Oberst von der Band Bright Eyes eingeht, der im Abspann auftaucht, obwohl den Film über ja fast gar keine, und von Oberst erst recht keine Musik zu hören ist. Schade eigentlich. Hätte gepasst.

Mythos Regierungsbildungsauftrag

Seit der Hessenwahl voriges Wochenende ist das Vokabular der CDU deutlich zusammengeschrumpft. Eine der wenigen verbliebenen Worte im Rumpfvokabular ist “Regierungsbildungsauftrag, klarer”. Den hat natürlich die CDU, weil sie mehr Stimmen bekommen hat. Dies ist jenseits des derzeitigen medialen Infernos derart absurd, dass man eigentlich nicht die Zeit aufbringen will, einen Kommentar dazu zu verfassen.

Glücklicherweise hat mir dies Die Zeit abgenommen. Warum das Argument, die “größte Partei” habe den Regierungsbildungsauftrag, blödsinnig ist, lässt sich zusammenfassend an folgenden Punkten festmachen

  • Ein Regierungsbildungsauftrag macht nur in politischen Systemen Sinn, in denen jemand mit der Regierungsbildung beauftragt wird, wie z.B. in Österreich.
  • Ein Regierungsbildungsauftrag wird IMMER von Staatsoberhaupt erteilt und nicht qua Status “größte Partei”
  • Das einzige Amt in Deutschland, dass in der politischen Praxis an die “größte Partei” geht, ist das des Bundestagspräsidenten – und das geht faktisch an die Partei mit der größten Fraktion (sonst bekäme CDU/CSU das gar nicht so häufig – schließlich sind das zwei Parteien)
  • Wir lernen: relative Mehrheiten bringen nix – in Deutschland darf man sich seine absolute Mehrheit suchen, oder es gibt eine tolerierte Minderheitsregierung (auch eine Form der absoluten Mehrheit)
  • Heul doch, Koch!

    Lost: The beginning of the end

    Achja, da war doch was. Lost ist zurück in den USA. Während hier die dritte Staffel demnächst in Doppelfolgen versendet ein eher unrühmliches Ende auf Prosieben findet, sind die folgenden Staffeln in den USA ja schon in trockenen Tüchern.

    Nach Sichtung der neuen Folge muss ich sagen, dass ich nun endgültig sicher bin, dass viele Handlungsfäden lose Enden haben werden. Lost wird bewusst fragmentarisch bleiben und das ist ja auch nicht soo schlimm, denkt man an andere so angelegte Welten wie Herr der Ringe.

    Gut angelaufen ist die vierte Staffel scheinbar. Mir bleibt es allerdings fraglich, ob der wehmütige Abschied, der schon in der letzten Folge der dritten Staffel heraufbeschworen wird, tatsächlich noch als Spannungsbogen für 3 Staffeln taugt. Bin irgendwie doch ein wenig enttäuscht, weil ich glaube, dass viele Lost-Geheimnisse in der Serie nicht gelüftet werden.

    Andererseits ist da halt noch Spin-Off-Potential.

    Deutsch-Amerikanische Sporttage

    Am Sonntag ist Superbowl. Das größte US-amerikanische TV- und Sport-Ereignis überhaupt. Und auch wenn ich wiedermal in der Halbzeitpause einschlafen werde (wie schon zum Halbfinale vor zwei Wochen als die Green Bay Packers bei -18 Grad in einem 4 Stunden Match gegen New York verlor), oder gerade deswegen, ist das Ende der Bundesligawinterpause deutlich aufregender. Gerade läuft Rostock gegen Bayern im Free-TV und morgen spielt die Eintracht mit den drei (zusammen gerechnet) knapp 8 Millionen Euro teuren Neuzugängen Martin Fenin (Tschechien, 20 Jahre, 3,5 Mio. €), Cesar Alves dos Santos “Caio” (Brasilien, 21, 3,8 Mio. €) und dem geliehenen Evangelos Mantzios (Griechenland, 24, 0,3 Mio. €).

    Junge Spieler, zwei davon mit dem Drang zur EM am Ende der Saison in der Anfangsformation ihrer Nationalelf zu stehen. Das sind gute Voraussetzungen. Vor allem für die nächste Saison, wenn sie dann ein halbes Jahr älter, reifer und eingespielter sind.

    Nachdem die Green Bay Packers ausgeschieden sind, bin ich mir übrigens nicht sicher, ob ich für Boston oder New York sein soll. Vermutlich halte ich für Boston, oder ich entscheide spontan…