Warum man links wählen muss um Koch zu verhindern

Mein erster Wahlkampf-Post in diesem Jahr ist die deutlichste und wird auch die deutlichste Empfehlung bleiben. Ich habe mehr zufällig am Wochenende mit meinem Direktkandidaten von der Linkspartei gesprochen und der bekommt meine Stimme im übrigen nicht, und das, obwohl er sehr nett war. Aber das hat eben andere, mathematische Gründe. Die Wahlarithmetik sollte nämlich niemals unterschätzt werden. Daher rechne ich in diesem Post einmal vor, wie sich ein Wahlergebnis denn so auswirken kann:

Die neuste Wahlumfrage ist sehr, sehr erfreulich und zeigt, dass Kochs Kampagne mit erneut rassistischen Unterton nicht funktioniert. (In Klammern die Zahlen der letzten Landtagswahl 2003)

CDU 40 % (48,8%)
SPD 36 % (29,1%)
GRÜNE 7 % (10,1%)
FDP 8 % (7,9%)
Linke.PDS 5 % (n.n.)
Sonstige 4 % (4,1%)

48% gegen 48% – rechnerisch ein Patt – das Momentum derzeit eher bei der SPD – Koch in der Defensive. Das alles unter der Vorraussetzung, dass die Lager unter sich bleiben, wonach es ja aussieht. Es gibt nur ein Szenario in dem Koch zurücktreten würde: wenn die CDU sogar mit der FDP keine Mehrheit zu Stande bekommt. Das sieht also alles gar nicht so schlecht aus. Aber:

sollte die Linkspartei nur 4,9% und damit unter die Sperrklausel von 5% fallen, stünde das Verhältnis plötzlich bei 48% zu 43%. Ob die SPD noch 5 Prozentpunkte aufholen kann halte ich persönlich eher für fragwürdig. Damit wird meine Zweitstimme an den Wechsel gehen!

P.S.: Mir ist klar, dass Ypsilanti eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen hat. Dennoch ist selbst eine Große Koalition unter Koch (nicht nur nach diesem Wahlkampf) für mich absolut undenkbar. Ich vermute, dass eine Duldung nach Sachsen-Anhaltiner Vorbild eine mögliche Variante wäre. Auch Jamaika wird wohl mit den hessischen Grünen nicht machbar sein. Eventuell gibt es eine Ampel-Koalition (die FDP ist ja auch gegen die Studiengebühren). Aber mal sehen, was sich die SPD’ler da noch alles einfallen lassen.

8 thoughts on “Warum man links wählen muss um Koch zu verhindern”

  1. Wie ist das Wahlrecht in Hessen. Ist das auch so wie in Bayern, dass Erst- und Zweitstimme zusammengerechnet werden?

  2. Da hab ich doch mein 500 Seiten schweres Buch “Länderparlamentarismus in Deutschland” hervorgekramt und auf http://www.wahlrecht.de steht’s doch besser.

    Also so einen Quatsch wie das zusammenzählen der Stimmen wie in Bayern, gibt’s glaube ich nur in Bayern. In Hessen läuft das wie im Bund:

    Jeder Wähler hat wie bei der Bundestagswahl zwei Stimmen. Interessant ist die Namensgebung: Die von der Bundestagswahl bekannte Erststimme heißt Wahlkreisstimme, die Zweitstimme wird Landesstimme genannt. Auf diese Weise will man Mißverständnisse beim Wähler hinsichtlich der Bedeutung der jeweiligen Stimme vermeiden. Mit der Wahlkreisstimme wählt man einen Wahlkreiskandidaten, mit der Landesstimme die Landesliste einer Partei. Diese Regelung wurde erst 1988 von der CDU/FDP-Koalition auf Wunsch der FDP eingeführt. Zuvor hatte jeder Wähler nur eine Stimme, die gleichzeitig für den Wahlkreiskandidaten und die Landesliste einer Partei gewertet wurde.

    Einziger Unterschied zum Bund. In Hessen gibt es Ausgleichsmandate, sollte es zu Überhangsmandaten kommen.

  3. Tja. Der Nonsens mit dem Zusammenzählen bricht der SPD in Bayern regelmäßig das Genick. Die Wähler kreuzen die CSU mit der Erststimme an, weil die anderen Kandidaten keine Chance haben und verhindern so aber Opposition obwohl sie mit der Zweitstimme eine andere Partei wählen.

    Das mit der Namensgebeung der Erst- und Zweitstimmen finde ich nicht schlecht.

  4. Ich wollte nur klarstellen, dass die FDP FÜR Studiengebühren ist… Und eine Ampel wird es nicht geben, da der Hahn der beste Freund von Koch ist… Und das mein ich wortwörtlich!

    Deine Rechnung ist interessant und richtig. Auf jeden Fall sollte die Erststimme an eine Person (SPD/Grüne) vergeben werden, die tatsächlich die Chance hat, über Direktwahl in den Landtag zu kommen…

    Aber bei der Linkspartei ist es so, dass sie für die Ablösung von Koch sogar gefährlich werden kann. Nämlich genau dann, wenn die SPD und Grüne tatsächlich nicht mit den Linken koalieren und eine Minderheitsregierung nicht zustande bekommen. Die sicherste Variante ist, dass das “linke Spektrum” sich zwischen SPD und Grünen entscheidet und die Linkspartei komplett draußen bleibt… Aber die meisten Anhänger der Linken würden das nicht tun…

  5. Oh, tatsächlich, die FDP war nur gegen die Studiengebühren so wie sie die CDU eingeführt hat und hat eine relativ obskures Gegenmodell. Ich denke – mal abgesehen von Hahn, mit dem hast du schon recht – ist die FDP eine Umfallerpartei. Von daher würde ich die Ampel durchaus für eine Möglichkeit halten.

    Das Argument mit der Linkspartei ist natürlich richtig. Aber wie ich auch schon bei Robin beschrieben habe, halte ich es für äußerst problematisch 3-4% der Stimmen am linken Wahlspektrum liegen zu lassen, wenn es um eine Mehrheit jenseits der bürgerlichen Parteien geht.

    Ein große Koalition unter Koch, dabei bleibe ich, kann ich mir nicht vorstellen.

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