Ich muss reden, auch wenn ich schweigen muss

Neulich habe ich über Tocotronic gelesen, sie hätten zu Anfang ihrer “Karriere” absolut kein Talent, dafür umso mehr Sendungsbewusstsein gehabt. Und als ich eben mit dem Fahrrad nach Hause radelte und das wundervolle Lied “Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit” hörte, musste ich daran denken. Und der Schreiberling hat tatsächlich recht. Nichts ist so wirklich originell an Tocotronic – die reduzierte Musik nicht (Slow-Punk quasi), die Arrangements, das Songwriting nicht. Es sind tatsächlich noch nicht mal nur die Texte (deren Titel ja in dutzenden Feulliton-Artikeln der FAZ recycelt wurden, wie Manuel Andrack mal nachwies), es sind die Texte zusammen mit der ironisch-authentischen Attitüde. Wenn es heißt “heute bin ich glücklich wie niemals zuvor” und man fast losheulen möchte, weil alles so traurig klingt, oder wenn in drei-vier Strophen melancholische Geschichten erzählt werden wie in “Vier Geschichten von dir” oder “Für immer dein Feind”. Kleine Einblicke in eine Welt, die zutiefst real ist.

Ein Tocotronic-Post ist also hieraus geworden. Vielleicht sollte ich noch auf das pop-literarische Gegenstück Rainald Goetz hinweisen. Oder ich spare mir das für mein nächstes Blogprojekt auf. Das wird ja hoffentlich spätestens zur Buchmesse online gehen.

3 thoughts on “Ich muss reden, auch wenn ich schweigen muss”

  1. wenn mit talent musikalisches talent gemeint ist, stimmt das natürlich, aber irgendein talent muss da ja schon gewesen sein, sendungsbewusstsein allein reicht irgendwie nicht, glaube ich.

    inwiefern ist denn rainald goetz das “popliterarische” gegenstück? wenig sendungsbewusstsein und viel talent? oder dass es bei ihm genauso war? hmhmhm.

  2. wenn mit talent musikalisches talent gemeint ist, stimmt das natürlich,
    aber irgendein talent muss da ja schon gewesen sein, sendungsbewusstsein
    allein reicht irgendwie nicht, glaube ich.

    inwiefern ist denn rainald goetz das “popliterarische” gegenstück? wenig
    sendungsbewusstsein und viel talent? oder dass es bei ihm genauso war?
    hmhmhm.

    herzliche grüße.

  3. Ich hab mir mal erlaubt den Kommentar per Mail, öffentlich einzutragen.

    Ich halte Rainald Goetz deswegen für das popliterarische Gegenstück zu Tocotronic, weil er mit einem ebenso unfassbar großem Sendungsbewusstsein ausgestattet ist und die Popliteratur nicht aus Dekadenz, sondern mit einer (zugegeben manchmal verspielten) Ernsthaftigkeit vertritt, wie man es sonst in dieser unpolitischen Variation in der Musik wohl nur von Tocotronic kennt. Die Authentizität, die Tocotronic für eine ganze Generation repräsentiert, ist ja auch gerade die Eigenschaft, die von Goetz betont wird.

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