300

Hab jetzt endlich 300 geschaut, und kommentiere den Film tatsächlich und zu meinem Erstaunen gar nicht so viel später als zum Beispiel Spreeblick. Auf SPON stehen seit einigen Tagen schon zwei ellenlange Artikel. Nr.1 befasst sich mit dem eigentlichen Film – aus künstlerischer Sicht und so – und Nr.2 dokumentiert den verletzten Stolz der Iraner.

Das ist – im Gegensatz zum Karikaturenstreit – diesmal sogar mehr als einleuchtend. Für die Iraner ist Xerxes, der im Film zwar in jeglichem Wortsinne imposant aber genauso brutal wie von Bestien umgeben dargestellt wird, das, was für Deutsche das Nibelungenlied oder vielleicht der aktuelle deutsche Papst oder die Welmeisterschaft 1954 in Bern ist. Ein Gründungsmythos und eben noch dazu ein historischer – zu einer Zeit als in Europa, mal abgesehen von Griechenland und Thrakien, noch so gar nichts zivilisatorisch und kulturell wertvolles geschaffen ward. Ebenso historisch ist jedoch auch Xerxes’ vorläufiger Sieg an den Thermophylen und die darauf folgende Niederlage in der Seeschlacht von Salamis. Daraus verknüpft der Film einen pathetischen Plot in Leni-Riefenstahl-Colorit computergeneriert, steril und homoerotisch bis in die Haarspitzen. Damit ist unumstößlich: Dieser Film ist ein Augenschmauß, dass in seiner Radikalität sicher nicht immer gleich auf Gegenliebe stößt. Das ist auch gut so.

Pathos triefender geht es kaum noch und allerlei degenerierte Kampfmonster aus dem fernen Persien bedrohen also das ach so demokratische Sparta (sic!), dessen Eliten gleichzeitig die Reden schwingenden Athener als Knabenliebhaber verspotten. Und trotzdem ist der Film wunderbares Popcornkino für alle Cinematographen. Einziger Wermutstropfen: Schon Göring bemühte das Bild der heroisch kämpfenden Spartaner an den Thermophylen um Stalingrad zu verklären.

Ostermarsch 2007

Es soll ja politische Menschen geben, die sich an Ostern auf die faule Haut legen und “nur” die Sonne genießen. Andere wie ich sind dagegen bereit sich körperlich für die Gute Sache zu verausgaben. Also war ich das erste mal bei der Fahrraddemo von Darmstadt zur zentralen Ostermarschkundgebung in Frankfurt auf dem Römer dabei. Also, ich war da schon als Kind, meine Eltern sind mit mir immer ab Neu-Isenburg zum Römer gelaufen (damals wurde noch gelaufen!) , nur von Darmstadt aus, das war was Neues für mich und auch die Aussicht ohne Semesterticket wieder mit dem Fahrrad zurück zu müssen war nicht sooo rosig. Aber was tut man nicht alles für den Frieden.

Ca. 60 Fahrradkilometer und ein hr1-Interview später – danke an mein gelbes T-Shirt gegen Studiengebühren – war ich völlig geschafft wieder zu Hause. Dann ging’s erstmal daran den Kleiderschrank (namens KIRKENES) aufzubauen, den ich am Ostersamstag bei einem schwedischen Möbeleinrichtungshaus in Nieder-Eschbach gekauft hab. Der steht jetzt auch und ich bin noch geschaffter als vorher. Bin auf den Muskelkater morgen gespannt.

DSC00529DSC00532DSC00533DSC00535
DSC00537DSC00539DSC00541

Raven gegen Deutschland

Gestern bin ich dann tatsächlich noch im Schlosskeller gelandet. Und was gab’s da? Ein Konzert von Egotronic.

Elektropunk nennt man das wohl. War sehr geil und anders als in obigen Beispiel in Nürnberg wurd bei dem Lied “Raven gegen Deutschland” keine peinlichen “Schland! Schland!”-Lieder angestimmt, stattdessen aus ca. 150 Kehlen spontan subversive “Nie! Nie! Nie wieder Deutschland”-Slogans passend im Rhythmus der wummernden Bässe geschrien – was beweist, dass Nationale nicht singen können. Am Ende des Videos bekommt man eine Idee davon, wie sich das im Schloss angehört hat. Ich weiß, viele verstehen den Slogan nicht. Kleiner Tipp: Hat was damit zu tun, dass durch Anti-Nationalismus wohl noch niemand ermordet wurde.

Fazit: Geiler Gig. Ein Event, dass man in dieser Intensität wohl eher in einem KEllerclub in Berlin erwartet. Immerhin: Ein Keller war’s ja.

Polizeiwillkür in Sachsen

Ja, unten in dem Film kann man die Polizei ja noch loben, wie sie mit den englischen Hooligans umgegangen sind hat sicherlich zu einer vorläufigen Deeskalation der Lage geführt. Allerdings wird auch dort schon angedeutet, dass der Umgang mit den deutschen Fans (ich betone hier Fans, nicht Hooligans) weit weniger zimperlich ist. Gestern ist jetzt wieder zu einem Akt staatlicher Polizeiwillkür gekommen, bei einem Zweitligaspiel zwischen dem 1.FC Köln und Aue. Während des Spiels in Sachsen wurden wohl einige Rauchbomben gezündet. Ein Umstand, der zwar nur bedingt gutzuheißen ist, jedoch nicht allzu ungewöhnlich und relativ ungefährlich. Was danach folgte, fasst in diesem Blog ein Kölner Rechtsanwalt zusammen.

In einem Artikel des Kölner Stadtanzeigers klingt es schon ein wenig an. Eine Polizistin, die in zivil Augenzeugen wurde schreibt im Kölner Forum, in dem durchaus kontrovers über die Vorgänge diskutiert wird, folgendes:

Ich war heute im Stadion. Ich habe nichts abbekommen. Da lag aber auch nur daran, dass ich keine super Stewardess bin, sondern zu den “Feinden” gehöre. Mein Dienstausweis hat mich heute davor gerettet, nicht voll was auf die Fresse zu bekommen. Dadurch, dass ich den dabei hatte, konnte ich mir 2 Frauen und 1 Kind schnappen und durch eine Absperrung verschwinden. Als ich zurück wollte, obwohl ich meinen Ausweis gezeigt, wurde mir der Knüppel vors Gesicht gehalten. Hätte ich den nicht dabei gehabt, wär dieser Knüppel hundertpro in meinem Gesicht gelandet, da bin ich mir tot sicher. Willkür gibts nicht? Tja, das hab ich selber bis vor ein paar Tagen behauptet, aber heute musste ich ansehen, dass die Welt doch ein wenig anders aussieht. Wie gesagt ich hab schon sehr viel gesehen, aber sowas ist mir noch nicht passiert. Es wurde wirklich wahllos auch auf Frauen und Kinder!!! drauflosgeprügelt. Von Deeskalation, was man tagtäglich von seinen Vorgesetzten eingetrichtert bekommt, keine Spur. Ich werde nie wieder Kollegen in Schutz nehmen, die ich nicht kenne. Das war heute nur einen gewaltgeile Horde Irrer in Uniform. Ich schäme mich abgrundtief für die Personen

WM 2006 Hooligan-Nachlese

Ich muss zugeben, es sind beeindruckende Bilder, die diese BBC-Dokumentation (“Hooligans – The Untold Story”) auch in Frankfurt gemacht hat. Sie vermitteln einen Eindruck den ich so gar nicht hatte. Einerseits denke ich zurecht, dass dieser Bericht ein wenig zugespitzt ist, andererseits kann man auch deutlich von einem Versagen der Vierten Gewalt während der WM sprechen. Den Medien war es wohl eindeutig wichtiger nationale Gefühle zu erwecken und Deutschtum zu heroisieren, als diesen Auseinandersetzungen, an denen zu jedem Zeitpunkt auch Deutsche beteiligt zu sein schienen, ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Achtung: Nachfolgende Dokumentation ist ca. eine Stunde lang, aber äußerst sehenswert (und man lernt was über den britischen Akzent).