ZwEintracht

Eintracht Frankfurt ist ja in Deutschland der Verein in der Vorreiterrolle, wenn es um internationale Präsenz ging. Sie war der erste deutsche Verein, der in Asien Freundschaftsspiele ausgetragen hat und auch als erster deutscher Verein standen sie 1960 im legendären Pokalfinale der Landesmeister in Glasgow gegen die Jahrhundertmannschaft von Real Madrid mit dem kürzlich verstorbenen Puskas und DiStefano. Die Eintracht verlor damals bekanntermaßen ja 7:3 (“El mejor partido de la historia, final Copa de Europa”). DiStefano machte drei, Puskas vier Tore.

Eine neue Vorreiterrolle nimmt die Eintracht nun im Internet ein. Und dabei ist nicht gemeint, dass es die Homepage des Vereins neuerdings auch in einer japanischen Version gibt – Dank des durchschlagenden Erfolgs Naohiro Takaharas – nein, als erster Verein der Bundesliga hat Eintracht Frankfurt eine Geschäftsstelle im Online-Spiel “Second Life”. Das Ganze im Rahmen der virtuellen Stadt Frankfurt in eben diesem Spiel. Eintracht Frankfurt goes Web 2.0.

Verarmen leicht gemacht

Alexander von Schönburg – Die Kunst des stilvollen Verarmens
Wie man ohne Geld reich wird

erschienen bei rororo für 8,90€ als Taschenbuch

Um es vorneweg zu sagen: Das schlimmste, was sich über Alexander von Schönburg sagen lässt, ist, dass er der Bruder von der hysterischen Gloria von Thurn und Taxis ist. (“Afrika hat Probleme nicht wegen fehlender Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gern.” in der Sendung Friedman am 9.Mai 2001.) Alexander fiel mir das erste mal als Teil des selbsternannten Popkulturellen Quintetts (mit dem großartigen Christian Kracht (Faserland und 1979), Eckhart Nickel, Benjamin von Stuckrad-Barre und Joachim Bessing) in die Hände. Ihr Manifest damals: ein dialogisches Buch, das angeblich an einem Wochenende im Hotel Adlon in Berlin enstanden ist: Tristesse Royale.

Da ich sein aktuelles Buch am Beispiel der Werbung aufziehen will, vorweg einen kleinen Auszug von damals:

Ich als großer Innovator des deutschen Journalismus habe gerade eine Kolumne ins Leben gerufen, in der ich täglich jemanden über Werbung schreiben lasse. Ich finde es hoch interessant, wie den Menschen über Werbung suggeriert wird, sie kämen mit dem Kauf nur eines Produktes an den Lebensstil heran, den sie sich erträumen. […] Und dann die schlimme Enttäuschung der Menschen dort unten in den Straßen, wenn sie erkennen, daß die Dose Beck’s-Bier in ihrer Hand ihr Leben nicht im geringsten ändert, sportlicher oder glamouröser macht. Das Lebensgefühl, für das wir fünf hier in Deutschland stehen, spiegelt sich zudem auch in der Werbung wieder: Das Mondäne, Die Drei-Wetter-Taft-Welt, Der Wohlstand – alles findet sich ja in der Suggestionswelt der Kampagnen wieder. Dekorativ.

Sechs Jahre und einem gewaltigen Einbruch aller Werbeeinnahmen der Printmedien später ist sich von Schönburg seines materiellen Wohlergehens gar nicht mehr so sicher. Er ist nun freier Journalist, finanziell ist seine Familie sowieso schon seit 500 Jahren auf dem absteigenden Ast. Dennoch seiner Stilsicherheit bleibt er treu – jedoch in einem ganz immateriellen Sinne. Ihm ist eine Neu-Bewertung von Arbeitsformen ebenso wichtig wie ein neues hedonistisches Grundkonzept, dass unabhängig von Prestige und materiellem Potential aber auch von Askese ist. Im besten Fall ist man natürlich Teil der hedonistischen Avantgarde.

Das Buch verquickt diesen Leitgedanken mit dem reichhaltigen Erfahrungsschatz des Autors, der sowohl in der Welt der Superreichen, als auch in der Welt der verarmten Adligen zu Hause ist und ganz nebenbei auch ein normal(-spießiges?) Leben führt. Heute schreibt er also über Werbung:

Werbebotschaften sind, wenn man genau hinhört, Sinnversprechen, doch wenn die Waren wirklich Sinn bringen würden, ginge der Umsatz schnell zurück, das System funktioniert also mit der ständigen Vorenthaltung des eigentlich Versprochenen. Es ist das einfache System vom Esel und der Karotte am Stock. Eine Karotte die sich als besonders effektives Lockmittel erwiesen hat, ist die Verheißung von Exklusivität. [… Aber] mittlerweile kann man selbst im Ruhrgebiet kein öffentliches Verkehrsmittel mehr betreten, ohne mindestens drei Personen mit Gucci- oder Louis-Vuitton-Taschen gegenüberzusitzen.

Thorstein Veblen stellte in seiner “Theorie der feinen Leute” (1899) die These auf, Geldverdienen sei ein Zeichen von charakterlicher Stärke und Intelligenz, Armut dagegen von Versagen. Diese Sicht war leider bis vor kurzem sehr einflussreich. Nach der kapitalismusgläubigen Weltsicht ist man geradezu zum Konsum verpflichtet, denn dieser ist das sichtbare Zeichen von Fleiß. Materieller Überfluss war also lange geradezu eine Frage des bürgerlichen Anstands und der Ehre. Glücklicherweise hat sich das vollkommen geändert. Wer im Überfluss schwelgt, gilt heute als suspekt (Russe? Zuhälter? Tanjana Gsell?) wahrer Luxus besteht vielmehr in der Selbstbehauptung gegen den Konsumzwang.

Tatsächlich bezieht von Schönburg vieler seiner Lebensweisheiten aus seiner aristokratischen Abstammen. Am Adel scheint der Kapitalismus ein wenig vorbei gegangen sein, denn trotz aller materieller Besitzstände, das wichtigste am Adel ist eben die Genealogie. Ich bin jetzt gerade auf den letzten Buchseiten und mir bleibt noch zu erwähnen, dass auch schon ein neues Buch von Alexander von Schönbuch in den Regalen des Buchladens meines Vertrauens steht: ein “Lexikon der überflüssigen Dinge”. Und das ist als Nachfolge-Buch tatsächlich nötig, denn der Platz im hier vorgestellten Buch reicht kaum aus, um all die Dinge zu erwähnen, die man eigentlich nicht braucht.

Grundeinkommen jetzt!

Aus aktuellem Anlass werde ich hier nocheinmal auf die Idee eines Gesetzlichen Grundeinkommens zurückkommen. Erst gestern konnte ich in einer Radiosendeung des besten hessischen Senders hr1 einen Bericht über das neuerliche Aufleben dieser Idee hören, auf deren Homepage findet sich leider nur ein älterer Beitrag, der jedoch den Thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU als Unterstützer der Idee nennt. (Aber für Althaus gilt, was der Spiegel einmal über Günter Grass schrieb: Keiner ist vor seiner Solidarität sicher. Z.B. die Kreationisten.)

Dokumentieren will ich hier vor allem einen Artikel der Initiative Grundeinkommen, der auf die erstaunliche aktuelle mediale Präsenz dieses Themas in Deutschland hinweist. Unter anderem BILD-Zeitung, Spiegel online, Reuters, Taz, Financial Times Deutschland berichten aktuell über das Grundeinkommen. Die so genannte Bild-“Zeitung” titelt in großen Lettern “Neue Studie! ‘Bürgergeld’ für alle spart 46 Milliarden Euro”. Besagte Studie stammt von Prof. Thomas Straubhaar vom Hamburgischen WeltWirtschafts Institut und kann im Internet in einer kurzen Präsentation eingesehen werden. Dabei geht es nicht unbedingt um eine soziale Hängematte, die hier konstruiert wird, sondern um einen Rechtsanspruch auf Menschenwürde. Millionen Sozialhilfeempfänger werden tagtäglich zu Bittstellern und Arbeitssklaven (Stichwort 1-Euro-Jobs) degradiert. Die 1-Euro-Jobs führen dann – anders als gesetzlich garantiert – dazu, das reguläre Arbeitsplätze wegfallen – ich habe da ganz konkrete Aussagen zu gehört. Noch dazu ist unser derzeitiges System arbeitsfeindlich, ein Grundeinkommen kann uns in eine neue Gesellschaft führen, in der Arbeit neu bewertet wird. Ob es nun Herr Lobo, Herr Schönburg (über die ich beide demnächst noch schreiben werde – versprochen!) oder sonstwer ist. Wer sich aktuelle mit Arbeit befasst, muss feststellen, dass heutige und noch weniger zukünftige Arbeitsprozesse nicht die verfügbare Arbeitskraft ausfüllen kann. Daraus müssen aber auch Konsequenzen folgen, um eine intellektuelle und psychologische Verarmung der Gesellschaft zu stoppen.

Also weg mit dem bürokratischen Schnickschnack! Ein gesetzliches Grundeinkommen von der Wiege bis zur Bahre auf Niveau des heutigen Sozialhilfesatzes, ohne Bedürftigkeitsprüfung, jetzt!

Ypsilanti für Hessen (1)

ICh beginne hiermit mal die Wahlberichterstattung für die hessische Landtagswahl in – auf den Tag genau – 10 Monaten. Der Anlass ist eine äußerst positive Umfrage von Infratest/dimap vom 24.3.07:

CDU 38 %
SPD 34 %
GRÜNE 10 %
FDP 9 %
Linke.PDS 4 %
Sonstige 5 %

Sollte die Linkspartei in den Landtag einziehen können, wären wir wohl das politisch linkeste Bundesland Westdeutschlands, noch dazu besteht tatsächlich die von niemanden zugetraute Möglichkeit für die als Parteilinke bekannte SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti Roland Koch, der ja im Moment alleine ohne FDP regieren kann, schon 2008 abzulösen. Möglich auch, dass wir dann die Studiengebühren tatsächlich schon wieder vom Tisch hätten. Allerdings widerspricht diese Umfrage doch deutlich der Vorhersage von Forsa, die ja die SPD im Moment grundsätzlich schlechter bewertet als andere Umfrageinstitute. Dort hatte die CDU am 14.3.07 noch 43% und die SPD nur 27%.

Prison Break

Ich hab mich also auf Anraten einer Freundin, die derzeit in den USA lebt und arbeitet und eine gewisse latente Abscheu gegenüber meiner Lieblingsserie Lost zeigt, an die Serie Prison Break gemacht, die dort schon gegen Ende der zweiten Staffel geht und hier in Deutschland bestimmt in auch nicht allzu ferner Zukunft zu sehen sein wird. Um die Story – zumindest der ersten Staffel – kurz anzureißen: Michael Scofield begeht einen unblutigen, sinnlosen Banküberfall und wird zu einer Haftstrafe im Hochsicherheitsgefängnis – wo sonst – Fox River verurteilt. Dort hält sich nicht ganz zufällig sein zum Tode verurteilter (Halb?-)Bruder Lincoln Burrows auf. Dieser ist mutmaßlich unschuldig am Mord des Bruders der Vize-Präsidenten. Wittert das jemand eine Verschwörung? Der Plan ist Burrows zu befreien und höchst artifiziell und verschlüsselt auf Scofields Körper eintätowiert.

Soweit so gut! Nette Idee, aber im Vergleich zu Lost geht das hochproduzierte Spektakel tatsächlich als Verlierer vom Feld. Vor allem aus zwei Gründen:

1. Was bei Lost schon ein wenig nervig ist, nämlich die überzeichnet stylischen Charaktere, wirkt in Prison Break schon ziemlich absurd. Fox River sollte eine Modellagentur aufmachen, da könnten dann die meisten Insassen – vor allem die Schwarzen und Latinos – noch ein Zubrot verdienen. Und die Weißen, also die Südstaatler sehen aus wie aus einem Musikvideo zu Sweet Home Alabama und dann sind da noch die Italiener, bei denen ich mit meiner Kritik doch Abstriche machen muss.

2. Ich bin ja jetzt schon auf dem Stand der zweiten Staffel und kann nur feststellen, dass man die Drehbuchschreiber immernoch nicht gefeuert hat. Die Charaktere in der Serie wechseln ihre Seiten und Meinungen im Minutentakt. Das macht tatsächlich in den allerwenigsten Situationen Sinn. Außerdem merkt man ganz genau – und damit im krassen Gegensatz zu Lost – wie Leute am Leben gelassen werden, weil man sie im Plot drei Folgen später, und nachdem sie gefühlte 5 Mal die Seiten gewechselt haben und zweimal verschwunden und wieder aufgetaucht sind, noch braucht um eine Information herauszugeben oder sonst irgendeine entscheidende – erneute – Wendung beizutragen. Ermüdend. Und ich befürchte, dass die Autoren dies nicht nur machen (mussten), weil die Marketingabteilung von Fox die Serie kurzfristig von 13 auf 22 Folgen ausbaute. Immerhin geht es in der zweiten Staffel genauso bescheuert weiter – zumindest in dieser Hinsicht.

Letztendlich ist die Serie aber wirklich gut produziert, erstaunlich liberal und gewalttätig. Und ich hab nur noch zwei Folgen, bis zum Ende der zweiten Staffel.

Nur eine Stadt, nur ein Verein …

Was macht man als obsessiver Fan, wenn seine Fußballmannschaft an einem Wochenende nicht spielt, weil die langweilige deutsche Nationalmannschaft mal wieder zeigen will wie langweilig ihr Spiel wirklich ist? Man geht zur zweiten Mannschaft a.k.a. der U23 der Frankfurter Eintracht. Die hatte zwar ein Auswärtsspiel, aber da das gegen den FSV Frankfurt war – also im Volksbankstadion, 500m entfernt vom Riederwälder Eintrachtstammsitz – bin ich hin. Ich wusste, dass die Stimmung auch bei den Eintrachtamateuren immer super ist, auch wenn ein wenig radikaler. Das stimmte so auch ungefähr.

Und außerdem habe ich noch nie ein Oberligaspiel gesehen, weil ich das letztjährige Entscheidungsspiel um den Aufstieg zwischen Hessen Kassel und FSV Frankfurt, zu dem ich eigentlich hin wollte, leider doch nicht besucht und lieber im Fernsehen angeguckt habe. Auch wenn ich ein wenig zu spät kam, sah ich ein spannendes Spiel, in dem die Eintracht gegen den unangefochtenen Favoriten gut dastand und mit 2:0 und 3:1 gleich zweimal jeweils mit zwei Toren in Führung gehen konnte. Der FSV Frankfurt steht übrigens als Aufsteiger aus der Ober- in die Regionalliga fest, da kein anderer Verein der Liga Lizenzanträge auf die Regionalliga gestellt hat. Aber auch so ist der FSV bisher noch ungeschlagen in dieser Saison. Und leider konnte auch die U23 da nichts dran ändern. In der 94. Minute fiel der 3:3 Ausgleich. Wie bei den Profis …

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