Die neuen Krimi-Serien auf Vox und Co.

Weil ich ja im Moment so wenig zu tun hab, kann es schon mal passieren, dass ich ein Abend vor dem Fernseher verbringe. Und da die Filmauswahl insbesondere bei den Privatsendern doch sehr dürftig ist (sieht man mal ab von “Das geheime Fenster” von vor ein paar Wochen und “Popp dich schlank”, den ich tatsächlich ganz nett fand) kann es passieren dass ich doch die ein oder andere neue amerikanische Krimi/Anwaltsserie ganz gut kenne. Die sind ja allesamt ganz nett aufgemacht, haben tatsächlich meist ein nettes Sujet und kommen auch nachts in der Wiederholung noch gut. Es gibt da doch einiges, was diese Serien über die amerikanische Gesellschaft zu sagen haben. Das möchte ich hier mal anreißen.

Close to home
Ein Blondchen mit einem IQ, der ganz offensichtlich unter 60 liegt, läuft als lebende Waffe bzw. als Staatsanwältin durch die Gegend und fordert für alles Todesstrafe, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist. Beispiel-Plot: Die Anwältin kommt nach 4-wöchiger Babypause (!) wieder auf die Arbeit und will eine Frau auf den elektrischen Stuhl bringen die angeblich ihr Kind aus den Fenster ihres Hauses geworfen hat. Das trifft die frische Mutter, die schon wieder rank und schlank ist, natürlich hart. Am Ende stellt sich heraus, dass der Vater die beiden über Jahre eingesperrt hatte und nun versucht sie halt den Vater auf den besagten Stuhl zu bringen.

Boston Legal
Sehr intelligente Serie über ein Anwaltsbüro und ihre Fälle mit schön gezeichneten und überzeichneten Charakteren; insbesondere William Shatner ist klasse. Oft absurd, und grandios. Nicht so ganz als Beispiel geeignet folgender Auszug aus einem Plot: Es wird ein Polizist verteidigt, der bei einer Entführung den Bruder des Entführers misshandelt, weil er nicht zugibt, den Entführer gesehen zu haben bzw. dessen Aufenthaltsort zu kennen. Ein flammendes Plädoyers über die versteckte Affinität der USA und ihrer Bürger zu martialischen Strafen und Mitteln inklusiver Folter wird der Mann von den Geschworenen freigesprochen. Das bringt uns zu …

Navy CSI, CSI Las Vegas / Miami / New York
Auch sehr nett anzuschauen und die städtischen Ausgaben moralisieren sogar ab und an. Allerdings ist vor allem das Organisierte Verbrechen sehr esprit-los dargestellt. In Navy CIS wird selten auf Folter als Mittel der Beweissicherung verzichtet. Beispiel-Plot: Die Navy CIS-Einheit fährt nach Tschechien weil ein US-Mädchen dort für kinder-pornographische Zwecke missbraucht wird. Die VErantwortlichen werden festgenommen, in gefesselten Zustand geschlagen und letztendlich bekommt man im Nachhinein das Gefühl als würde die CIS Einheit sich nach diesen KGB-Methoden sehnen, als sie wieder in ihre Heimat zurück fährt. (Übrigens ohne Mädchen, weil die da freiwillig war, oder so ähnlich.)

4400 bzw. Lost
Im ersten Fall: Terrorismus ==> Folter. Und auch bei Lost gab es schon drei Folterszenen. Dabei konnte man diese effektvoll und dramaturgisch geschickt auf den irakischen Ex-Nationalgardisten abwälzen.

Crossing Jordan
Sehr nett. Die Ermittlungsarbeit erschöpft sich in der Spurensuche, daher wenig Kontakt zu Verbrechern.

The Closer
Quasi das Gegenkonzept zu Close to home. Auch blonde Hauptdarstellerin, die sehr intelligent und einfühlsam, aber dennoch häufig überfordert in der Führungspostion einer süd-kalifornischen Stadt geraten ist. Aber auch hier Beispielszene: Mitarbeiter von Brenda (der Blonden) hat einen vermeintlichen Augenzeugen eines Schusswechsels im Verhör. Er fordert den Zeugen auf seinen Schuh auszuziehen, als diesem dem nachkommt, nimmt er den Schuh und haut ihn mit der Sohle auf seine Brust. Zitat: “Oh, Sie haben mich getreten, ich habe nun das Recht mich zu wehren.” Diese Drohung führt sofort zu einer Aussage.

Gut das ist jetzt keine neue Erkenntnis, dass die Amis Rechtsbeugung, Folter und Todesstrafe geradezu sexuell anzieht. Aber die Tatsache, dass hier in Deutschland abends Sendung um Sendung in durchaus attraktiven und erfolgreichen Formaten daherkommt, ist doch neu. Schwierig war es schon jetzt normal Bild-Lesern klar zu machen, warum es in Deutschland keine Todesstrafe gibt und lbenslänglich “nur” 25 Jahre Haft bedeutet. Auch in der Diskussion um die RAF-Terrorristen kann man feststellen, dass Bundes- und Landesinnenminister meist keine Ahnung vom deutschen Rechtssystem zu haben scheinen und sich vielmehr auf den “gesunden Menschenverstand” berufen (der ja in Deutschland schon zu manchen Katastrophe und Weltkrieg geführt hat. Das Problem erweitert sich aktuell deutlich, wenn sich eben besagter “gesunder Menschenverstand” medial durch US-Fernsehserien rekrutiert, in denen obige Rechtsverfehlungen zur Normalität geworden sind.

Germanismen II

Weil sich immernoch ab und zu ein paar Internet-Surfer auf meine Seite zum Thema Germanismen verirren, dokumentiere ich an dieser Stelle einen Artikel der Frankfurter Rundschau vom 08.10.2001, der mir heute beim häuslichen Ausmisten in die Hände gefallen ist.

“Obercharming” finden Briten einfach “zeitgeisty”
Immer mehr deutsche Wörter und Begriffe halten Einzug ins Englische / Besonders beliebt ist das Wort “Diesel”
Von Christoph Driessen (London / dpa)

Seit den Terroranschlägen in den USA sind viele Briten “angst-ridden”, von der Angst geritten, also angstgeplagt. Die Romanheldin Bridget Jones findet neue Trends “zeitgaisty”. Und Tony Blairs Berater Peter Mandelson wird von seinen Gegnern als “spin-meister” kritisiert, als Meister der PR-Intrige.
An manchen Tagen könnte man beim Lesen britischer Zeitungen meinen, so mancher Journalist hätte Germanistik studiert. Deutsche Wörter, oft in Zusammenhang mit englischen, sind “ober-in”. Bisher konnte man sie an einer Hand abzählen, den “blitzkrieg”, den “kindergarten” oder das “fräulein”.
Um bei “ober-” zu bleiben: Dieser Vorsatz tauchte erst 1993 zum ersten Mal auf und ist seitdem zum Modewort geworden, das in zahllosen Zusammensetzungen verwendet wird: obercharming, obercool, oberblond. Bill Gates wird als “obernerd”, als Ober-Streber(sic!), die USA sind “oberpowerful” (übermächtig). “Man könnte stattdessen oft auch das englische “over” verwenden, aber “ober” klingt in unseren Ohren noch stärker”, sagt Jeremy Butterfield, Direktor der Wörterbuch-Sparte des Verlags Harper-Collins in Glasgow.
Eine Neuentdeckung für die Briten ist auch das altdeutsche Wort “Meister”. Inzwischen gibt es auf der Insel rock meister, culture meister, gag meister, horror meitser und puzzle meister. “Das greift um sich”, sagt Butterfield. “Meist sind es Journalisten, die diese Wortschöpfungen als Erste benutzen, weil sie interessant schreiben wollen.” Butterfield hat für die Deutsche Presse-Agentur in Zusammenarbeit mit der Datenbank der englischen Sprache auch herausgefunden, was die am meisten verwendeten deutschen Wörter sind: An erster Stelle steht “Diesel”, gefolgt von “Blitz”, “Alzheimer” und “Angst”.
“Angst” wurde 1849 erstmals von der englischen Schriftstellerin George Eliot benutzt. “Fear” (Furcht) haben die Briten heute vor dem Fliegen oder dem Zahnarzt, “Angst ist existenzieller, dunkler”, erläutert Michael Clark vom Wörterbuch-Verlag Oxford University PRess.
1852 fand das Wort “Schadenfreude” Eingang in die englische Sprache. Inzwischen ist es soweit verbreitet, dass es sogar in der US-Zeichentrickserie “Die Simpsons” vorkommt. “In diesem Fall ist das recht einfach zu erklären”, sagt Butterfield. “Wir haben dafür einfach keine Entsprechung im Englischen.” Das gleiche gilt für “glockenspiel”, “rollmop” (Rollmops), “kohlrabi”, “dirndl”, “flak”, “doberman”, “rucksack” und “wunderkind”. Andere Begriffe sind einfach wörtlich übersetzt worden, etwa “foreword” (Vorwort) und der ominöse “G-spot” (G-Punkt). Dagegen ist die “hausfrau” nicht das beziehungsweise die Gleiche wie ein(e) “house wife”; die Erste ist ein biederes Heimchen am heimischen HErd.
Einen intellektuellen Einschlag gibt man sich mit Begriffen wie “leitmotiv”, “hinterland”, “kulturkampf”, “realpolitik”, “putsch”, “weltanschauung” und “götterdämmerung”.
“Oft wirken Leute, die solche Wörter benutzen, allerdings eher anmaßend als gescheit”, meint Redakteur Michael Clark. “Ich habe mal eine Rede gehört, in der der Referent ständig das deutsche Wort ‘Gesellschaft’ benutzte. Das Problem war: In Wirklichkeit meinte er ‘Gemeinschaft’.”