Umweltsünder Entega

Das Werbeprospekt der ENTEGA zur neuen Stromversorgung kommt ja ganz subtil daher. Man solle doch den alten Tarif wechseln (Grundversorgungstarif ENTEGA Basis^Strom) und man könne doch bis zu 120 € im Jahr sparen mit dem neuen ENTEGA Clever^Strom-Tarif. Erstaunlicherweise und nach gründlichem Studium des Schriebes stellt man dann fest, dass nur 56 der 120 eingesparten Euro durch billigeren Strom zu Stande kommen und der Rest durch spezielle Rabatte entstehen, der nur in diesem Tarif angeboten werden. Die Rabatte werden ermöglicht bei Bankeinzugsverfahren, Online-Rechnungen oder Kombi-Tarifen für Gas+Wasser+Strom.

Nun ist es wirklich ein wenig verwunderlich, dass ENTEGA nur den Clever-Tarif mit diesen Rabatten fördert. Die Erklärung dafür findet der geschulte Kunde auf der letzten Seite des Prospekts: der alte Strommix der Entega bestand aus 15% erneuerbaren Energien, 48% fossilen Energieträgern und 37% Kernkraft. Der Entega-Clever-Tarif setzt sich aus nur 2% erneuerbaren Energien und Sage und Schreibe 98% (!) fossilen Energieträgern zusammen.

Ich glaube mich erinnern zu können, dass sich die Entega in das neue Kohlekraftwerk in Mainz eingekauft hat. So kann man sich heutzutage in Zeiten des Klimawandeln und des Frühlingsanfangs pünklich zum 1. Januar auch unbeliebt machen. Und so muss sich Entega die Frage gefallen lassen, warum sie allein Kunden belohnt, die auf CO²-Emissionen pfeiffen.

Die doppelte Hinrichtung des Saddam H.

In der Süddeutschen Zeitung ist ein Artikel über die Bildsprache der beiden Exekutionsvideos Saddam Husseins erschienen. Er stellt die These auf, dass es sich um komplimentärstücke handelt, die den Schluss zulassen, dass auch das inoffizielle (sic!) Video – mutmaßlich gefilmt mit einer Handykamera – als Teil der offiziellen Inszenierung der Exekution gelten muss.

Beide Filme akzentuieren bestimmte Aspekte der Exekution. Ihre Inszenierungsweise hat den Verbreitungsweg bereits im Sinn: Das erste, mehr offiziöse denn offizielle, Video war für die traditionellen Medien bestimmt, staatstragend wird die Hinrichtung des Despoten nicht gezeigt, aber bewiesen.
Das inoffizielle Video, das alle ästhetischen Merkmale des Authentischen zeigt – Wackelbilder, schlechte Lichtverhältnisse, Stimmengewirr – gibt jedem die Gelegenheit, sich im Netz vom Tod Saddam Husseins zu überzeugen. Die Videoportale, die bis jetzt von Unterhaltungsclips dominiert wurden, sind damit auch zu einem politischen Medium geworden.

EDIT: Außerdem möchte ich gerne aus einem Kommentar der FAZ zitieren:

Und insofern besteht der Skandal des Saddam-Videos nicht darin, dass es diese Bilder gibt – ganz im Gegenteil, man muss, so brutal das klingen mag, dem Menschen, der sie machte, dankbar sein. Denn die offiziellen Nachrichten verkündeten, dass eben alles rechtens gewesen sei. Und erst die angeblich so geschmacklosen Bilder zeigten, dass es nicht so war. Der Delinquent wurde beschimpft, verhöhnt und durfte sein Gebet nicht zu Ende sprechen – was die Bilder zeigen, sieht aus wie ein schmutziger Mord, und die Empörung über diese Bilder nährt wieder einmal den Verdacht, dass der Bote hier mit der Botschaft verwechselt wird. Der Skandal besteht in dem, was diese Bilder dokumentieren.

Euro im Osten

Wir haben ja seit 1. Januar 2007 zwei neue EU-Mitgliedsstaaten, Bulgarien und Rumänien. Herzlich Willkommen von dieser Stelle! Auf absehbare Zeit werden die beiden Staaten – vielleicht abgesehen von Kroatien – die letzten sein, die in den allzu exklusiv gewordenen Klub der Entscheider beitreten konnten. Außerdem gibt es drei neue offizielle Sprachen. Die dritte ist Irisch (Gälisch), und mit dem Bulgarischen kommt sogar das kyrillische Alphabet in die EU.

Viel spannender ist jedoch, dass wir ein neues Land im Euroraum haben: Slowenien. Dabei sollten vor nicht allzu langer Zeit noch zwei baltische Staaten zeitgleich mit Slowenien den Euro einführen können. Aber Estland wollte nicht mehr so wirklich und Litauen, die bis zueletzt alles versuchten, doch dabei zu sein – aber die Inflation machte einfach einen Strich durch die Rechnung.

Verwunderlich ist es aber, dass die nächsten Kandidaten für den Euro eher Zypern und Malta sein dürften. Nur kurz zur Erklärung: Jeder Betrittsstaat unterschreibt mit seinem Beitritt auch die Absichtserklärung den Euro einzuführen sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind. Natürlich konnte man von Schweden gut lernen wie man seine Inflation künstlich hochrechnen kann, um die Vorraussetzungen nicht zu erfüllen. Es wird also spannend bleiben wer die nächsten Euro-Länder sein werden.

Neues Jahr – Gleiches Problem

Die Studiengebühren sind nicht nur unsozial, sie werden von den Universitäten auch nicht zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden. Jetzt kommt auch noch an die Öffentlichkeit, dass ein Großteil des Geldes gar nicht verwendet wird. So stellt sich die Sache zumindest in NRW dar. Allein die Uni Bonn sitzt auf 1,2 Millionen Euro Studiengebühren, die offensichtlich überall besser aufgehoben wären als dort, wo sie sind und anscheinend nicht dringend gebraucht werden. Und 1,2 Mio. € das sind immerhin die Gebühren von 5400 Studenten. Ein weiteres Argument gegen Studiengebühren. Erst kassieren – dann erst denken. Das Motto der Unis lässt wohl nicht unbedingt vertrauensvollen Umgang mit fremden Geld erahnen.

(via: Spiegel.de)