Die doppelte Hinrichtung des Saddam H.
Veröffentlicht am | Sunday, 7. January 2007 | 3 Antworten
In der Süddeutschen Zeitung ist ein Artikel über die Bildsprache der beiden Exekutionsvideos Saddam Husseins erschienen. Er stellt die These auf, dass es sich um komplimentärstücke handelt, die den Schluss zulassen, dass auch das inoffizielle (sic!) Video – mutmaßlich gefilmt mit einer Handykamera – als Teil der offiziellen Inszenierung der Exekution gelten muss.
Beide Filme akzentuieren bestimmte Aspekte der Exekution. Ihre Inszenierungsweise hat den Verbreitungsweg bereits im Sinn: Das erste, mehr offiziöse denn offizielle, Video war für die traditionellen Medien bestimmt, staatstragend wird die Hinrichtung des Despoten nicht gezeigt, aber bewiesen.
Das inoffizielle Video, das alle ästhetischen Merkmale des Authentischen zeigt – Wackelbilder, schlechte Lichtverhältnisse, Stimmengewirr – gibt jedem die Gelegenheit, sich im Netz vom Tod Saddam Husseins zu überzeugen. Die Videoportale, die bis jetzt von Unterhaltungsclips dominiert wurden, sind damit auch zu einem politischen Medium geworden.
EDIT: Außerdem möchte ich gerne aus einem Kommentar der FAZ zitieren:
Und insofern besteht der Skandal des Saddam-Videos nicht darin, dass es diese Bilder gibt – ganz im Gegenteil, man muss, so brutal das klingen mag, dem Menschen, der sie machte, dankbar sein. Denn die offiziellen Nachrichten verkündeten, dass eben alles rechtens gewesen sei. Und erst die angeblich so geschmacklosen Bilder zeigten, dass es nicht so war. Der Delinquent wurde beschimpft, verhöhnt und durfte sein Gebet nicht zu Ende sprechen – was die Bilder zeigen, sieht aus wie ein schmutziger Mord, und die Empörung über diese Bilder nährt wieder einmal den Verdacht, dass der Bote hier mit der Botschaft verwechselt wird. Der Skandal besteht in dem, was diese Bilder dokumentieren.
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Sunday, 7. January 2007 @ 18:06
Hm… das FAZ-Zitat deutet aber doch eher darauf hin, dass das Handy-Video eben nicht “mitinszeniert” ist, oder?
Sunday, 7. January 2007 @ 18:13
Die beiden Artikel behandeln – das sei zugegeben – zwei sehr verschiedene Aspekte dieses “Medienereignisses”. In der Süddeutschen geht es eher um die Ästhetische Inszenierung und Rezeption, während es bei der FAZ allein um die politische Rezeption geht.
Bzw. zurecht weist die FAZ darauf hin, dass die Medienkritik nicht angemessen sein kann, angesichts der Menschen unwürdigen Behandlung des Gefangen eines Regimes, das vom Westen unterstützt wird. Ob dieser zweite “inoffizielle” Film tatsächlich offiziellerweise entstanden ist, behauptet noch nicht einmal die Süddeutsche in einer Entschlossenheit, sondern weist nur auf die auffällige Komplementarität hin.
Sunday, 7. January 2007 @ 18:45
Wenn die Süddeutsche das nicht behauptet, tust du es.
Allerdings scheint das Handy-Video — das ich zugegebenermaßen nicht selbst gesehen habe; ich weiß also nur aus zweiter Hand von dessen Inhalt — der offiziellen Version einer “sauberen” Hinrichtung zu widersprechen (was auch immer das dann wirklich sein soll)… Und genau das steht ja auch in dem FAZ-Kommentar.
Wenn das aber so ist, frage ich mich ja, welchen Zweck man damit verfolgt haben könnte, dieses Video zu lancieren…?