Das Fest, Karlsruhe

Gestern auf “Das Fescht” im schönen Karlsruhe gewesen. Da gab es am Freitag Kettcar und New Model Army für umsonst, ok, dafür kostete ein Bier auch 3,50€ plus 1€ Pfand. Aber Kettcar mausert sich – diesmal vor geschätzten 5.000 Zuschauern zu einer Live-Band auch wenn ihre Witze immernoch sehr auswendig gelernt klingen und es vermutlich auch sind. Erstaunlicherweise spielten sie fast alle Songs von ihrer ersten Platte “Du und wieviele von deinen Freunden” und nur einige wenige von “von Spatzen und Händen, Tauben und Dächern”. Dabei war auch ein gänzlich neues Lied.

Geregnet hat es dann erst bei New Model Army ein wenig und später dann auf der Technoparty, was das Publikum deutlich ausdünnte und den äußerst schlechten Techno auch nicht weiterhalf.

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P4M und Wal-Mart

Mit zwei sehr informativen Artikeln wartet heute Spiegel Online auf. Zum einen den an “Raubkopierer sind keine Verbrecher” ansetzende Reportage über den Informationssammelservice P4M, die mitzeichnen wieviele Filme aud dem Netz (Bittorrent) gezogen wurden und in nette kleine Statistiken verpackt:

Filme mit 50.000 oder mehr Besuchern, so ein Ergebnis der Studie, seien am Eröffnungswochenende zu 100 Prozent im Netz verfügbar, Filme mit 10.000 bis 50.000 Zuschauern am ersten Wochenende immer noch zu 80 Prozent. Beim Remake von “Das Omen” etwa stünden gut 82.000 Downloads gut 135.000 verkauften Kinokarten gegenüber. Besonders verbreitet seien aber Thriller, Action-, Kinder- und Animationsfilme. Filme der Gattung “Drama” – was immer P4M darunter versteht – werden dagegen weniger schnell ins Netz gestellt, Dokumentarfilme waren am Startwochenende nur in 6 Prozent der Fälle online als abgefilmte Version verfügbar. Mit anderen Worten: Online verteilt und heruntergeladen wird vor allem Popcornkino. Filmkunst ist in pixelig-blecherner Fassung eher unpopulär.

Zwei andere Artikel berichten vom Rückzug der unmenschlichen Wal-Mart-Gruppe aus Deutschland. Ob es jetzt besser ist, dass diese Geschäfte durch Metro-Filialen ersetzt werden weiß ich nicht, aber immerhin konnte sich Wal-Mart in Deutschland trotz Dumping-Preis-Politik nicht durchsetzten, auch wenn – wie man z.B. in Langen sehen kann – eben die Marts zu einer deutlichen Ausdünnung bestehender Innenstadtsupermärkte geführt hat. Naja, “Amis Go Home!” kann man nur sagen. Jetzt müssen sie nur noch ihre Atomraketen und Pershings mitnehmen.

Landis positiv

Floyd Landis hat während der diesjährigen Tour de France gedopt. Man hat sich noch gewundert wie er nach dem Desaster einer schweren Bergetappe, bei der er 8 Minuten auf seine Mitkonkurrenten verlor, am nächsten Tag dieselben Konkurenten zu Beginn der Etappe einfach stehen ließ und über 150 km und 3 weitere Berge alleine und unaufhaltsam ins Ziel fuhr und seinen Rückstand fast vollständig wieder aufholte. Genau nach dieser 17. Etappe wurde der Testosteron-Epitestosteron-Wert von Landis per A-Probe positiv getestet.

Seine Rennfahrerkollegen werden sich ihren Teil zu Landis’ Leistung an diesem Tag gedacht haben. Aber wie man hört ist es bei Radsportlern gute Sitte zu schweigen. Ob der zweitplatzierte Carlos Perreira oder niemand zum Toursieger erklärt wird, wird wohl erst nach der B-Probe ausgehandelt werden.

Daschner im ZDF

Kurz hier von mir schon angesprochen thematisierte eben das ZDF in einer neuen – wohl skeptisch zu betrachtenden – Kriminaldokureihe “Der Fall” den Folterskandal rund um den Vize-Polizeipräsidenten Daschner und den Kinderentführer und -mörder Gäfgen. Was bleibt nach 45-minütiger Daschner-Show im ZDF?

Eine gar nicht zu schwierig zu bewertende Frage das Folterverbot betreffend wurde versucht zu Gunsten Daschners zu biegen. Neben Daschner wurden auch noch einige Kronzeugen, hohe Landesrichter und sonstige Beamte, zitiert, die sich erstaunlich offen in Kriegsvokabular ausdrückten, davon sprachen, dass Gäfgen sein Schweigen (also sein RECHT auf Aussageverweigerung) als Waffe gegen ein unschuldiges Kind benutzt habe und es galt ihm diese Waffe aus der Hand zu schlagen. Eine Aussage, die an Richter von vor über 70 Jahren erinnert. Erstaunlich auch, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen solchen Rechtsstaat verachtenden Aussagen ein Forum bietet, sich im Anschluss jedoch anständig in der heute-Sendung über die unmenschliche Lage in Israel-Libanon echauffiert.

Political correctness scheint sich eben doch aus subjektiv-emotionalen Dispositionen zu rekrutieren.