Gegen Studiengebühren

… waren gestern die Darmstädter Studenten mal wieder auf den wohl unbekanntesten Straßen der Darmstädter Innenstadt unterwegs. Das muss man den Organisatoren lassen, man lernt immer neue Orte kennen wenn man ihnen Folgt. Der große Unterschied zur letzten Demo war wohl das Wetter. Naja, irgendeinen Grund muss es ja gehabt haben, dass statt der 6000 Studenten letztens (ok, da waren auch viele Auswärtige dabei) nur gefühlte 3000 da waren. Vielleicht lag es auch an der WM.
Conrad hat gestern Nacht schon berichtet und ein paar nette Bilder ins Netz gestellt. Da will ich doch nicht hinten anstehen. Alle Bilder könnt ihr hier sehen.

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Hubschraubereinsatz

Nachdem Herr Müller schon über die Vollversammlung der Studentenschaft der TU Darmstadt berichtet hat, an der ich nicht teilnehmen konnte, folgt nun mein Erfahrungsbericht zur “Spontan”-Demonstration im Anschluss.
Als ich um 13Uhr endlich mit meinen Erledigungen fertig war, und so lange sollte die Vollversammlung dauern, war von dieser auf dem Karolinenplatz schon lange nichts mehr zu sehen. Ein Anruf bei besagtem Herrn Müller brachte auch keinen Aufschluss über die Position der Demo. Kein Problem – ich schwang mich auf mein Fahrrad und fuhr einfach auf den freundlichen Hubschrauber zu, der die aktuelle Position offensichtlich markierte. Auf die Demonstration traf ich am Bahnhof und fand auch gleich meinen Mitbewohner. Geschätzte 300 Studis hielten sich da relativ orientierungslos auf, einige wollten wohl nach Wiesbaden fahren und vor den Landtag – warum auch immer bis dahin hätten die dort eh schon alle Feierabend gehabt. Also sind wir wieder zurück zum Luisenplatz mit kleineren Zwischenstopps auf allen Kreuzungen.

Die Beamten kamen wohl fast alle selbst aus Wiesbaden und waren sehr, sehr freundlich. Ok, das Polizeiaufgebot gerade an der berüchtigten Maritim-Kreuzung war überwältigend. Auf einen Demonstranten kam locker ein Polizist in voller Montur. Doch gerade die, die uns begleiteten waren wirklich nett und viele haben sich mit uns unterhalten und gesagt, dass sie es gut finden, dass wir demonstrieren und haben sogar einige Scherze gemacht. An jeder Kreuzung an der wir hielten machte die Polizei eine Durchsage, dass diese immerhin unangemeldete Demonstration “berechtigt” sei und man sich eben ein wenig gedulden müsse. Auf der Kreuzung Rhein- Neckarstraße sah es dann so aus als würde man länger sitzen bleiben. Aber weil Tobias und Boris noch in die Mensa wollten und die bald zumachte machten wir drei uns fort. Aber was war das? Die ganze Demonstration lief uns hinterher. Erst auf dem Luisenplatz konnten wir sie abschütteln.

Hei, ich hab ne Demo angeführt. 300 Leute sind mir gefolgt. So muss sich Jesus gefühlt haben. Nur ein Witz…

Matisyahu

Und zur Abwechslung mal wieder ein Musiktipp.

Neulich fragte ich Tobias, meinen Mitbewohner, der bald nach Tampere (Finnland) geht, was er grad für Musik hörte. “Das kennst du nicht das ist christlicher Ska”, sagte er. Bei nächster Gelegenheit zahlte ich es ihm heim und spielte zum Spülen laut, dass es jeder im Haus hören musste Matisyahu. Nach einiger Zeit kam dann wirklich seine Frage, und meine Antwort: “Das kennst du nicht, das ist jüdischer Reggea aus New York.”

Und genau das ist Matisyahu, der diese Woche völlig zu Recht meine Last.fm Top-10 Liste anführt. Der Mann sieht aus wie ein ultra-orthodoxer Rabbi und macht den eindringlichsten Reggea, den ich seit Langem gehört habe. Eine echte Entdeckung, die ich dem arte-Magazin tracks verdanke, das gottseidank auch nachts noch als Wiederholung läuft. “King without a crown” und “Youth” sind sicherlich die Highlights aus seinem wirklich gelungenen Erstling “Youth”. Ich empfehle dringen mal seine Homepage zu besuchen. Da gibts es musikalische Kostproben und auch die Videos sollte ihr euch nicht entgehen lassen. Oder man schaut sich eines dieser beiden an:

Live
Musikvideo: Youth

Sky Arena

Ich war also gestern bei der Auftaktveranstaltung der Stadt Frankfurt zur Fifa Fussball (!) WM 2006 – der Sky Arena. Es war schon beeindruckend, wie viele Leute bis 22 Uhr noch die Zeil bevölkerten, solange hatten die Geschäfte innerhalb des Anlagenrings offen und das bleibt auch die WM über so – dies ist ein Teil der City Arena. Als wir dann Richtung Main liefen um uns einen schönen Platz für die Videoinstallation zu organisieren, stellte ich fest, dass das Public Viewing in Frankfurt (die Main Arena*) viel weiter östlich ist als ich gedacht hatt, quasi linkerhand Eiserner Steg (vom Römer gesehen). Kann mir gar nicht vorstellen, dass man die Leinwnd von beiden Seiten sieht, weil da ja die Maininsel ist. Aber egal, das werd’ ich mir wohl erst während der WM (und nach meiner ersten Magisterprüfung) anschauen.

Die in 11 Emotionen segmentierte sehr, sehr bunte Videoinstallation war eigentlich sehr cool, auch wenn Nadja meinte, dass man als nicht Fußballfan / -begeisterter wenig damit anfangen kann, weil da ständig irgendwelche Spieler zu sehen waren, die man halt so ohne Weiteres nicht kennt und die Emotionen bei ständigem Torgejubel nicht sooo groß sind. (Im übrigen fehlte sowohl beim Thema Rausch, als auch bei Freude das legendäre Zitat “meine Freundin möge mir verzeihen, das ist besser als Sex” vom 6:3 der Eintracht gegen den SSV Reutlingen.) Da wir beide keine Kamera dabei hatten verweise ich hier mal auf einen mir nicht weiter bekannten Flickr Account, um euren Drang nach bunten Bildchen zu befriedigen. Anschließend an die wirklich – wie ich fand – gelungene 30-minütige Präsentation folgte noch Kultur. “I love the World” hieß die Videoinstallation einer belgischen Künstlerin, vollgestopft mit Kapitalismus- und Technikkritik sowie Weltschmerz, wohl auch Freude, aber das ging ein wenig unter. Alles sehr überladen und die Fußballfans waren sichtlich überfordert und viele gingen auch schon während dessen heim oder wie wir nach Alt-Sachsenhausen. *g*

* Ja, Sky Arena, City Arena und Main Arena, das scheint wirklich ein Konzept dahinter zu stecken. Konsequenterweise hätte man wohl auch Sachsenhausen während der WM zur Wine Arena umtaufen sollen.

Pappkameraden

In der Frankfurter Rundschau von heute findet sich folgender Artikel:

Berlin – Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat im April beim Verteidigungsministerium beantragt, leere Sitzplätze bei WM-Spielen kurzfristig mit Soldaten zu besetzen. Das bestätigte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag. Die Bundeswehr habe den Antrag nicht genehmigt. “Die Frage stellt sich nicht mehr”, sagte der Sprecher.
Die Bundeswehr hätte Soldaten auf keinen Fall befohlen, leere Ränge in Stadien aufzufüllen. Allenfalls hätte der Veranstalter Freikarten an Soldaten als Anerkennung für die Unterstützung der Bundeswehr während der Fußball-Weltmeisterschaft vergeben können, die dann in Zivil und in ihrer Freizeit zum Spiel hätten gehen können. Die Militärführung beharrte laut einem Spiegel-Bericht darauf, dienstlich ins Stadion befohlene Truppen müssten Uniform tragen. Das habe die Fifa nicht gewollt. Die Idee sei nun verworfen worden. dpa

Da weiß man (zumindest ich) echt nicht mehr, was man dazu sagen soll.